400 Teilnehmer in der Stadthalle

Landwirtschaftliche Woche in Baunatal: Bauern wehren sich

+
Wegzehrung für die Ministerin: Bauernverbandspräsident Karsten Schmal überreichte Priska Hinz für ihren Besuch bei der landwirtschaftlichen Woche einen Präsentkorb.

Baunatal. In der Baunataler Stadthalle wurde am Montag vor 400 Gästen die 70. Landwirtschaftliche Woche eröffnet.

Nach einer zweijährigen Durststrecke gehe es vielen hessischen Bauern wirtschaftlich wieder besser, zumindest wenn sie Milchvieh oder Schweine halten. Schlechter sehe es aber bei den Ackerbaubetrieben und Zuckerrübenbauern aus. Auch die Schweinepreise seien nun schon wieder unter Druck. Dennoch seien die meisten Landwirte zuversichtlich und wollten investieren: Diese gemischte Bilanz seiner Branche zog der Präsident des Hessischen Bauernverbands, Karsten Schmal (Waldeck) am Montag zur Eröffnung der Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen vor rund 400 Gästen aus Landwirtschaft und Politik in der Baunataler Stadthalle.

Während die übrige Wirtschaft floriere, fühlten sich die Landwirte von vielen Seiten und zu Unrecht unter Druck gesetzt, meinte Schmal. Die Kritik an der Massentierhaltung, an einem Angeblich zu großzügigen Ausbringen von Düngemitteln und an der Verwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat sei „überzogen“ und „von wenig Sachkenntnis“ geprägt, sagte der Bauernpräsident. Heute habe man den Eindruck, „wir seien die Buhmänner der Nation. Das tut schon weh.“

Die Anstrengungen der Landwirte in Sachen Natur-, Tier- und Umweltschutz würden nicht genügend von der Gesellschaft gewürdigt. Überzogene, kostentreibende Auflagen gefährdeten allerdings die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft. Die Bauern seien weiterhin auf Direktzahlungen aus Brüssel angewiesen, man habe große Sorge, dass die Agrarsubventionen wegen des durch den Brexit drohenden Einnahmeausfalls der EU gekürzt werden.

Die mögliche Schließung des in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Kasseler Schlachthofs bezeichnete Schmal als „herben Schlag“ für die landwirtschaftlichen Direktvermarkter der Region. Er forderte Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz, die an der Eröffnung der landwirtschaftlichen Woche teilnahm, auf, sich für den Erhalt des Schlachthofs einzusetzen. Darauf ging die Ministerin in ihrer Rede aber nicht ein.

Drei neue Öko-Projekte

Hinz sagte, Direktzahlungen aus Brüssel werde es weiterhin geben, warnte aber: „Die Konkurrenz um knappe Finanzmittel in Europa ist groß.“ Und Geld der öffentlichen Hand gebe es nur für „öffentliche Leistungen“, also nur, wenn die Bauern messbar die Umwelt verbesserten. Die Ministerin warb für den Dialog zwischen konventioneller und ökoligischer Landwirtschaft. Hessen werde dieses Jahr drei neue Öko-Projekte auf den Weg bringen. Die Verbraucher könnten allerdings nicht erwarten, dass mit einem Einkauf zu „Billigpreisen“ eine nachhaltige Landwirtschaft zu haben sei.

Die landwirtschaftliche Woche geht noch bis morgen Nachmittag mit vielen Fachvorträgen, beispielsweise zum aktuellen Thema der afrikanischen Schweinepest, einer Ausstellung und Diskussionen weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.