Steuerungsinstrument für das Werk

Das VW-Logistik-Team managt täglich 130.000 Teile - bei 1200 internen Transporten

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Das Team vom Verladebahnhof in Halle 6 (von links): Jörg Wenderoth, Oliver Viereck, Logistik-Chef Jörg Fenstermann, Miriam von Schuman und Daniel Schäfer.

Ohne Logistik läuft nichts: Das richtige Produkt wäre nicht in der richtigen Menge, der richtigen Qualität, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden verfügbar.

Das gilt für Brötchen und Kaffee am Frühstückstisch genauso wie für den Versand von Getrieben und Blechteilen im VW-Werk Kassel in Baunatal. Jörg Fenstermann verantwortet die Logistik am Standort. Wenn er über den „Gemischtwarenladen“ VW Kassel spricht, schwingt Begeisterung mit.

130.000 verschiedene Teile werden täglich bewegt. Mit über 700 Lkw und 60 Waggonladungen erreicht das Material den Standort. 1200 interne Transporte verteilen täglich das Material im Werk – von der Anlieferung der Kaufteile, über deren Verteilung in die einzelnen Bereiche bis zur Versendung der fertigen Produkte an Kunden wie Audi, Seat, Skoda oder Porsche.

Logistik mit digitaler Steuerung

Die digitale Steuerung all dieser Bauteile hat im Werk bereits begonnen – etwa in Halle 6, wo fahrerlose Gabelstapler flüsterleise Getriebe durch die Halle steuern, Transportzüge zwischen den Maschinenstraßen umherkurven, Kaufteile für Sieben-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe für Audi im „Supermarkt“ ankommen und abreisen. Vom Balkon der Halle beobachtet, scheint alles im Fluss – wie am Flughafen.

VW-Werk Kassel: 600 Meter lange Züge fahren Tag und Nacht

1400 Lieferanten hat der Standort, dem gegenüber stehen weltweit 34 Kunden im Konzern, der Großteil davon sitzt in Europa. Alles ist mit allem vernetzt – ein Datenwust, den Fenstermann steuert. Werden mehr Produkte aus Kassel gebraucht? Müssen mehr Schichten angesetzt werden? Wie wirkt sich die Veränderung der Fahrzeugprogramme auf das Werk aus?

Auf all diese Fragen muss Fenstermann die Antworten liefern. Ausgangspunkt ist stets der Endkunde: Fahrzeug-Stückzahlen, die der Vertrieb fordert, Produktionsprogramme, die die Logistik erstellt, aus denen der Bereich Industrial Engineering den Personalbedarf ermittelt, die der Betrieb in Schichten übersetzt, damit sie der Personalchef mit dem Betriebsrat abstimmen kann. Sein Ziel ist eine verbindliche Planung für zwei Monate.

Im Juli 1993 stand die Palette im Vordergrund: Ausführlich wurde das gute Stück begutachtet und die Vorteile wurden aufgelistet.

Logistik als Steuerungsinstrument für das Werk? „Ich habe noch nie gesagt, dass es nicht funktioniert, aber ich sage, wann es funktioniert“, sagt Fenstermann. Schmunzelt und lässt die Verantwortung durchblicken, die auf seinem Bereich liegt: Das Werk muss rundlaufen, alle 16 Getriebefamilien müssen ihren Kunden erreichen, die 4500 Kaufteile, die täglich für 15 Millionen Euro zugekauft werden, müssen rechtzeitig am Band stehen. „Das ist die Leistung meiner gesamten Mannschaft“, betont Fenstermann. 1150 Mitarbeiter zählen zu seinem logistischen Bereich sowie 450 Mitarbeiter zum Bereich Werktechnik.

Logistik: Kosten so gering wie möglich halten

Fenstermann ist 51 Jahre alt, hat Maschinenbau mit Schwerpunkt Automationstechnik in Osnabrück studiert. Er lebt in Besse (Schwalm-Eder-Kreis), ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Enkel. Den fahrerlosen Gabelstaplern stellt er sich mit fast spitzbübischer Freude in den Weg, weil ihn sein Alltagsgeschäft noch immer fasziniert: Ob GPS-Technik, Schwarmintelligenz oder die hausinternen Pizzableche, jene 14 Meter langen Verladeböden für Lkw, die über den Tag beladen und als Ganzes in den Lkw geschoben werden. „Neun Minuten dauert es, vom Andocken des Lkw an der Rampe, dem Reinschieben des Bodens in den Lkw, bis zur Abfahrt des Lkw“, sagt er. Eine gute Zigarettenlänge, dann ist der Lastwagen wieder auf der Straße. Über den Verladerampen sind Ankunft- und Abfahrtzeiten der Lkw gelistet – wie an einem Flughafen.

Die Logistikkosten haben im Schnitt einen Anteil von acht bis zehn Prozent an einem Produkt. Kosten, die so niedrig wie möglich sein sollen. Letztlich laufe es darauf hinaus, das System stärker zu vernetzten, damit das Produkt rechtzeitig beim Kunden sei. „Das ist die Herausforderung“, sagt’s und bremst das fahrerlose Fahrzeug aus.

Auf einen Satz, Herr Fenstermann

Schwarmintelligenz ist für mich... 

... die connectivity des autonomen Fahrens der Zukunft.

Am Arbeitsplatz begeistert mich täglich noch immer... 

... die Dynamik.

Logistik nehme ich sportlich, weil...

... nirgendwo Probleme so schnell gelöst werden.

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