Nach fast 40 Jahren

Michael Scholtyssek verlässt Kasseler VW-Werk: OTLG-Leiter geht in den Ruhestand

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Hat das Ersatzteilgeschäft bei VW in Baunatal mit aufgebaut: Michael Scholtyssek. Der Leiter der Original-Teile-Logistik verabschiedet sich in den Ruhestand

Kassel/Baunatal. Nach fast 40 Jahren ist Schluss: Michael Scholtyssek hört im VW Werk Kassel auf. Der 66-Jährige ist Geschäftsführer der Original-Teile-Logistik (OTLG).

Wenn so jemand wie Michael Scholtyssek sagt: „Ich bin ein Volkswagen-Mann“, dann kommt das nicht aufgesetzt oder gar wie ein Marketing-Spruch daher. Dazu ist er einfach zu zurückhaltend und bescheiden.

Im Alter von 66 Jahren und nach fast 40 Jahren bei VW ist Schluss. Der Geschäftsführer der Original-Teile-Logistik (OTLG), die alle VW-Händler in Deutschland täglich mit Teilen beliefert, verabschiedet sich Ende Februar in den Ruhestand.

Michael Scholtyssek hat das Ersatzteilgeschäft bei VW in Baunatal maßgeblich mit aufgebaut. Auf dem Werksgelände in der Halle 3 hat er damals angefangen, als er zu Beginn der 80er-Jahre von Wolfsburg nach Kassel kam. Zu dieser Zeit gab es das riesige Original-Teile-Center (OTC) auf der anderen Seite der Autobahn 49 bei Kirchbauna noch nicht.

Im Vertrieb Original-Teile (VO), der heute „After Sales“ heißt, war Scholtyssek bald für das Autoteilegeschäft in der ganzen Welt zuständig. Das OTC in Baunatal wuchs mit seinen Hallen zu Europas größtem Ersatzteilzentrum. Für den Espenauer gehörte das Reisen und das Leben aus dem Koffer zum Alltag. „Ich bin 120 Mal um die Welt geflogen“, sagt Scholtyssek. Von Nord- und Südamerika über Indien und China bis nach Südafrika, Australien und Neuseeland reicht die Palette der Geschäftsreisen.

Dabei habe die Zeitverschiebung immer eine Rolle gespielt. Vor allem in den letzten Jahren habe er nach einem Flug einfach ohne Pause weitergearbeitet, berichtet der 66-Jährige. „Das war anstrengend. Früher gab’s zumindest mal einen Tag zum Erholen.“

Trotz der Möglichkeiten von heute mit Telefon- und Videokonferenzen hält er den direkten Kontakt zu den Partnern im Ausland für enorm wichtig. „Man muss den Leuten persönlich in die Augen schauen“, sagt er.

Mit der Neuorganisation des Deutschen Marktes vor 15 Jahren wurde dann die OTLG gegründet. Scholtyssek baute die Einheit mit insgesamt 64 Gesellschaftern auf. Die Idee dazu habe er alleine durch den VW-Vorstand in Wolfsburg getragen, sagt er. „Das ist auch gleich genehmigt worden.“ 2018 peilt die Gesellschaft, die die VW-Händler zweimal am Tag mit Teilen bestückt, immerhin einen Jahresumsatz von 3,2 Milliarden Euro an.

Der Name Michael Scholtyssek ist darüber hinaus untrennbar mit den Kassel Huskies verbunden. Die Förderung der Schlittenhunde mit Sponsorengeld von VW war ihm immer ein besonderes Anliegen. Ob erste oder zweite Liga – „das haben wir konsequent durchgestanden“, sagt er. Volkswagen sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, da gehöre Sportförderung einfach dazu.

Förderer der Huskies: Das Bild zeigt Michael Scholtyssek mit Maskottchen „Herkules“ in der Kasseler Eishalle.  

Zurückhaltend, aber deutlich äußert sich Michael Scholtyssek zum VW-Abgasskandal. „Das finde ich nicht gut“, sagt er zu den Betrügereien mit der Schummelsoftware. Sein Wunsch: „Dass wir das fair vom Tisch bekommen und daraus lernen.“

Nun will der VW-Rentner die Welt privat auf Reisen weiter erkunden. „Peru wird das nächste sein“, sagt er. VW wird er als Berater treu bleiben. Auch wenn ihm das Wort „Senior“ nicht so recht passt, gehört der Espenauer ab März dem „Senior-Experten-Programm“ des Unternehmens an. Und so kommt auch der Außenstehende spätestens jetzt ebenfalls zu dem Fazit: Michael Scholtyssek ist ein Volkswagen-Mann.

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