Ein Inklusionsmanager für die Region

Mit Handicap im Sportverein: KSV Baunatal bekommt Hilfe vom Olympischen Sportbund

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Blindenfußball: Die Spieler orientieren sich nur über das Gehör. Der Ball gibt Geräusche von sich. Die Integration einer solchen Gruppe in den Sportbetrieb – das könnte Aufgabe eines neuen Inklusionsmanagers beim KSV Baunatal sein.

Baunatal. Wenn Rollstuhlfahrer und nicht-behinderte Sportler gemeinsam auf dem Basketballfeld auf Korbjagd gehen, dann kann das jede Menge Spaß machen.

Wenn Sehbehinderte und Sehende zusammen kicken – ebenfalls. Alle müssen sich gleichermaßen auf ihr Gehör verlassen. Doch nicht immer verläuft das gemeinsame Sportprogramm problemlos. Die Inklusion – das Einbinden von behinderten Menschen in den Sportbetrieb des Vereins von nebenan – befindet sich in den Anfängen. Beim KSV Baunatal soll sich das ändern. Der 7000-Mitglieder-Verein bekommt auf zwei Jahre vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einen Inklusionsmanager finanziert.

Acht Sportverbände und zwei Vereine in Deutschland haben den Zuschlag vom DOSB für die Beschäftigung eines Inklusionsmanagers bekommen. Einer der beiden Vereine ist der KSV. Man habe sich unter 31 Bewerbern durchgesetzt, erläutert Vorstandschef Timo Gerhold. „Die Stelle wird auf zwei Jahre voll finanziert.“

Obwohl es im KSV schon gute Ansätze gab – etwa in der Schwimmabteilung und mit dem Inklusionsprojekt „Gemeinsam in Bewegung“ (GIB) – läuft die Sache laut Gerhold noch nicht rund. „Wir haben festgestellt, dass wir Nachholbedarf haben“, sagt er. „Inklusion läuft bei uns eher zufällig und sporadisch.“

Auch die Übungsleiter seien meist gar nicht für das Training mit Behinderten ausgebildet. Und das übliche Regelwerk in vielen Sportarten verhindere einfach ein Mitmachen, sagt der KSV-Vorstand. Natürlich gebe es auch Grenzen, etwa bei Menschen mit seelischen Behinderungen. „Man muss jeden Menschen einzeln betrachten. Es ist die Frage, ob man ein Angebot findet und ob die bestehenden Gruppen Offenheit mitbringen.“

All diese Themen will der Vorstand gemeinsam mit dem neuen Mitarbeiter angehen. Der KSV solle eine Art Inklusions-Stützpunkt in der Region werden, sagt Gerhold. Dabei sei ein Netzwerk beispielsweise mit den Werkstätten der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS), der Stadt Baunatal und dem Kasseler Verein „aha e.V“ angestrebt. „Nur wenn alle das Thema anpacken, kann es funktionieren“, betont Gerhold.

Damit macht der KSV-Vorstand klar, dass die Arbeit des Inklusionsmanagers nicht nach zwei Jahren enden soll. Mit Hilfe der Netzwerkpartner will der Verein die vom DOSB angestoßene Arbeit dann fortsetzen. Ein Teil der Finanzierung, so Gerhold, solle über die neu gewonnen Mitgliedsbeiträge erfolgen, ein Teil über Förderung durch die Netzwerkpartner. „Wir brauchen deren Unterstützung.“

Am 1. Juli soll der neue Inklusionsmanager in der KSV Sportwelt seine Arbeit aufnehmen. Ab sofort sucht der Verein geeignete Bewerber. Voraussetzung ist laut Gerhold, dass die Interessenten selbst mindestens zu 50 Prozent schwerbehindert sind.

Infos: KSV Baunatal, Altenritter Straße 37, 34225 Baunatal, Tel. 05 61/5 70 59 80. E-Mail: info@ksv-baunatal.de

www.ksv-baunatal.de

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