Stimmung unter Beschäftigten ist schlecht

Nach Beurlaubung des Leiters: Fassungslosigkeit im VW-Werk in Baunatal

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Trübes Wetter, trübe Stimmung: Viele der VW-Mitarbeiter, die gestern ins VW-Werk kamen, wollten sich nicht zu den Folgen des Abgasskandals äußern. Am Tag zuvor war Werkleiter Falko Rudolph beurlaubt worden.

Baunatal. Die Stimmung unter den Beschäftigten im VW-Werk Kassel in Baunatal ist schlecht nach der Beurlaubung von Werkleiter Falko Rudolph (50) am Mittwoch.

Das Werk mit 17.000 Mitarbeitern bekommt die Folgen des VW-Skandals nun direkt zu spüren. Einige fürchten sogar um ihren Arbeitsplatz.

„Ich halte das für richtig“, sagt etwa Axel Sprenger zur Beurlaubung des Werkleiters. Schließlich sei dieser an der Entwicklung der Diselmotoren maßgeblich beteiligt gewesen.

„Ich habe es gestern erst erfahren“, sagt Frank Icke. „Es ist schade.“ Ob Falko Rudolph direkt etwas mit dem Skandal zu tun habe, sei offen, so der 53-Jährige aus der Getriebefertigung. Eine Schuld müsse sich noch unter Beweis stellen.

Andere Mitarbeiter laufen indes vorbei und nutzen härtere Formulierungen. Sätze wie „Gut so“ und „Richtig so“ sind noch als mildere Varianten zu hören.

Seit Mittwoch beurlaubt: Falko Rudolph.

Der Belegschaft sei am Mittwoch über die Beurlaubung Rudolphs informiert worden, berichtet ein weiterer Mitarbeiter im Gespräch mit der HNA. „Es wurde gesagt, dass Gerd Hahn ihn jetzt vertritt.“ Hahn ist Leiter der Gießerei im Baunataler Werk und wurde von Rudoplph vor anderthalb Jahren als Stellvertreter eingesetzt. Schon in den vergangenen Tagen sei es ruhig um Rudolph geworden, berichtet der Mann zur Stimmung im Werk weiter. „Ich habe ihn nicht mehr gesehen.“ Grundsätzllich, so betont der Beschäftigte, gehe es jetzt erstmal darum festzustellen, ob Rudolph „tatsächlich etwas verbockt hat. Er ist ja erstmal nur beurlaubt.“

Ein anderer langjähriger Mitarbeiter spricht von anhaltender „Fassungslosigkeit“ in der Belegschaft über die Betrügereien mit der Abgas-Software in Dieselfahrzeugen. „Ich selbst halte das immer noch nicht für möglich“, sagt der Mann. Am Standort herrsche derzeit eine Art Schockstarre, von Aufbruchstimmung sei noch nichts zu spüren.

Ein anderer berichtet davon, dass einige Mitarbeiter jetzt Ängste um ihren Arbeitsplatz entwickelten.

Der Maschinenbau-Diplomingenieur Rudolph war von November 2006 bis 2010 Leiter der Entwicklung von Dieselmotoren bei Volkswagen. In dieser Zeit stellte VW die Diesel auf eine fortschrittlichere Technologie um. In diesen Jahren, so wird gemutmaßt, könnte auch die Elektronik eingebaut worden sein, mit der die Abgasmeldungen manipuliert wurden.

Nach einer Zeit als Werkleiter in Salzgitter wurde Rudolph im Mai 2014 Chef in Baunatal.

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