Einsatztraining in Baunatal

Neue Schutzkleidung für Hessens Polizisten im Kampf gegen den Terror

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Symbolische Übergabe: Innenminister Peter Beuth (Mitte) überreichte in Baunatal eines der neuen Schutzpakete an Nordhessens Polizeipräsident Konrad Stelzenbach.

Baunatal. Hessens Innenminister hat in Baunatal 780 Schutzausrüstungen für die Beamten der hessischen Polizei übergeben. Die neue Ausrüstung wird auch bei der Ausbildung der sogenannten Notinterventionsteams eingesetzt.

Es sind Bilder, wie man sie sonst nur von Spezialkräften kennt: Vermummte rücken durch verwinkelte Gänge vor, Schüsse fallen, Menschen brüllen. Doch es fließt kein Blut, sondern Farbe.

Im Einsatztrainingszentrum der Polizei im nordhessischen Baunatal werden Feuergefechte nur geübt. Wen die Farbkugeln treffen, der ist raus – nicht tot. Statt Elitesoldaten proben hier am Mittwoch normale Schutzpolizisten. Sie werden zu Notinterventionsteams (NIT) ausgebildet und sind ein relativ neues Instrument im Kampf gegen Terroranschläge und Schwerstkriminelle.

Es sind martialische Bilder, wie man sie von Hessens Polizei kaum kennt. Kriegerisch sieht auch die Ausrüstung der NIT-Polizisten aus: Schutzbrille, Helm, kugelsichere Platten am Körper. Eine Minute dauert die Verwandlung vom Schutzmann zur gepanzerten Einsatzkraft. Unter der Schutzkleidung bleibe die Polizei Freund und Helfer der Bevölkerung, versichert Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Er sagt aber auch: „Die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus stellt nach wie vor die größte Gefahr für die Menschen in unserem Land dar.“

Nach den Terroranschlägen in Belgien und Frankreich reagierte Hessen. Die NIT-Einheiten wurden 2016 ins Leben gerufen, eine spezielle Ausrüstung angeschafft.

In Baunatal übergab Beuth symbolisch eine von 780 neuen Schutzausstattungen. 1800 sind es nun insgesamt, 3,6 Millionen Euro hat das gekostet. Doch auch an der Ausbildung wurde gearbeitet: „Hessens Polizisten werden taktisch intensiv geschult, um auf Bedrohungslagen landesweit schnell und effektiv reagieren zu können“, erklärt er. Drei Tage dauert die NIT-Schulung. Am Ende stehen zwar keine Spezialkräfte.

"Zielscheibe Nummer eins"

„Die Polizisten kommen ja nicht zu uns, um Soldaten zu werden, sondern Helfer in Uniform“, sagt Jürgen Sohnemann, Fachbereichsleiter für Einsatztraining an der Hessischen Polizeiakademie in Wiesbaden. Aber die Einsatzkräfte seien nach dem Kurs Terroristen mindestens ebenbürtig. Sie sollen als erste vor Ort Leben retten und Schwerstkriminelle bekämpfen. Dass die Beamten gute Schutzkleidung brauchen, hätten Anschläge gezeigt: „Wenn die Polizei am Platz erscheint, ist sie Zielscheibe Nummer eins“, sagt Sohnemann. Auch bei der Bewaffnung wird aufgerüstet: Durch Zielhilfen wie Fernrohre steige die Reichweite von 30 Metern auf 100. Das sei eine Distanz, in der man auch eine von Terroristen gezündete Sprengweste überleben könne.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist mit der Schutzkleidung sehr zufrieden: „Die Landesregierung hat nicht gespart, das ist Top-Material“, sagt Lars Elsebach von der GdP. Für viele Polizisten sei der Wandel vom Schutzmann zur NIT-Einsatzkraft schon eine große Umstellung. Doch es bereite sie auf den schlimmsten Fall vor: „Mein Leben oder das des Angreifers.“ Man müsse den Kollegen offen und ehrlich sagen, „dass diese Situation zum Dienstalltag gehören kann“, erklärt Elsebach.

Einen Anti-Terror-Einsatz der Notinterventionsteams gab es laut Polizei in Hessen noch nicht. Allerdings seien bereits geschulte Kräfte bei Konflikten im Rockermilieu aktiv gewesen. Und selbst ein eskalierender Familienstreit könne zu einem NIT-Einsatz führen.

2500 Beamte sind bisher geschult worden. Das sei ein gutes Grundgerüst, sagt die GdP. Die Gewerkschaft fordert, dass in Zukunft weitere folgen: „Eine Schulung ist für jeden Polizeibeamten unumgänglich“, erklärt Elsebach. Kommt das Land dem nach, gibt es noch viel zu tun: Laut Innenministerium hat Hessen rund 14.000 Polizisten, im Jahr 2022 sollen es 15.300 sein. (dpa)

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