Nicht barrierefrei

Neuer Zugang zu Baunataler Marktgasse: Rollstuhlfahrer kommen nicht hoch

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Baunatal. Nach knapp vier Monaten Umbauzeit ist die Marktgasse zur Baunataler Innenstadt jetzt wiedereröffnet worden. Haken: Rollstuhlfahrer kommen die neue, steile Rampe nicht hoch. 

Wo vorher eine graue, steile Rampe und eine in die Jahre gekommene, schadhafte Treppe eher abschreckend wirkten, lädt jetzt eine großzügige, in beige gehaltene Treppenanlage zum Besuch der Geschäfte am Marktplatz ein.

Freilich: Einen Haken hat das Ganze: Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte mit Rollator werden auch künftig diesen Zugang zur City kaum benutzen können. Die in die Treppe integrierte sogenannte Kinderwagenrampe ist einfach zu steil.

Auf dieses Problem ging die Erste Stadträtin Silke Engler bei der Einweihung des 155.000 Euro teuren Umbaus auch ein. Es sei schon das Ziel, ganz Baunatal barrierefrei zu gestalten. Man habe viel Zeit investiert, um das auch auf der Marktgasse zu verwirklichen. Die Enge der Bebauung und das steil zur Marktstraße abfallende Gelände hätten aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Rampe mit weniger als sechs Prozent Steigung (die Grenze für barrierefreie Zugänge) zu bauen, hätte bedeutet, „dass wir mit der Rampe an der Shell-Tankstelle herausgekommen wären“, sagte Engler, die im Anschluss zu Bratwurst, Kaffee und Kuchen einlud.

Die Stadträtin verwies darauf, dass Rollstuhlfahrer praktisch ohne Umweg über die parallel verlaufende Postgasse zu den Geschäften am Marktplatz gelangen können. Bei dem Umbauprojekt wurde auch der Bürgersteig zwischen Marktgasse und Postgasse erneuert.

Während die neue Treppenanlage und die erneuerte Mauer mit dem eingemeißelten Schriftzug „Marktgasse“ nun fertig sind, wird auf den benachbarten Grundstücken noch gearbeitet. Mitarbeiter der Firma Steube pflanzen Stauden und Hecken. „Die Hinterhofatmosphäre verschwindet“, sagte Engler. Auch die Müllentsorgungsplätze würden ansehnlicher gestaltet.

Nach einer Phase, in der an vielen Stellen ständig gebuddelt wurde, um die Stadt zu verschönern, ist jetzt erst einmal Pause. Die zweite Etappe der Umgestaltung des Bereichs hinter der Stadthalle bis zur katholischen Kirche hin wird wohl nicht vor übernächstem Jahr in Angriff genommen. Für die Neugestaltung des Marktplatzes, das wohl teuerste Projekt, gebe es noch gar keinen Termin, sagte Engler auf Anfrage.

Inwieweit Baunatal ihre ehrgeizigen Pläne weiter umsetzen kann, hängt wohl auch davon ab, wie sich die VW-Abgasaffäre entwickelt. In der Vergangenheit musste die Volkswagen-Stadt wegen der Affäre bereits erhebliche Steuerausfälle hinnehmen.

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