Seefrachtgeschäft boomt enorm

Original-Teile von VW: Bereich Seefracht in Baunatal enorm gewachsen

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Umpacken: Isabell Hilberg (27) aus Baunatal holt Pollenfilter aus einer Metallbox. Diese hat die Anlage voll automatisch an ihren Arbeitsplatz geliefert. Früher musste jede Box mit dem Gabelstapler gebracht werden.

Baunatal. Weil weltweit immer mehr Autos von Volkswagen auf den Straßen sind, ist der Bereich Seefracht in Baunatal enorm gewachsen.

Wenn in Malaysia ein Stein den Kotflügel eines VW Polo beschädigt, dann wird man in Baunatal aktiv. Spätestens, wenn der Malaie in eine VW-Werkstatt rollt und nach einem Ersatzteil fragt, ploppt im Original-Teile-Center (OTC) in Baunatal im Bereich Seefracht eine Anfrage nach dem passenden Kotflügel auf. Über Europas größtes Ersatzteilzentrum, das zum VW-Geschäftsbereich „After Sales“ gehört, geht das Teil schließlich hinaus nach Übersee.

Ganz moderne Technik: Die neue Versandanlage bringt die Autoteile vollautomatisch an die Packstationen. Dort werden sie von den Mitarbeitern in Pappkartons verpackt. Von dort kommen sie in die Seefrachtcontainer (im Hintergrund). Fotos: Sven Kühling

20 Seefracht-Container verließen täglich das OTC 1 in Baunatal Richtung Hamburg und Bremerhaven, berichtet Frank Neurath, der für die Seefracht in Baunatal zuständig ist. Die Ziele der Stahlkolosse liegen weltweit bei 60 Großhändlern etwa in Amerika, China, Japan, Südamerika, Südostasien, Malaysia und Korea. Von dort werden 25 000 Vertragswerkstätten der Konzernmarken mit Autoteilen versorgt.

Weil weltweit immer mehr Autos von Volkswagen auf den Straßen sind, ist der Bereich Seefracht in Baunatal enorm gewachsen. Laut Neurath von 2013 bis 2017 um 40 Prozent. „Im letzten Jahr wurden aus meinem Bereich (Seefracht OTC1) 4000 Container in die Welt versendet.“

Natürlich können die Werkstätten bei schnellem Bedarf auch per Luftfracht bestellen, erläutert Dr. Claus Wriebe, Chef des Depot Kassel. Dann seien die Teile beispielsweise in vier Tagen beim Händler in Amerika. Teile für den allgemeinen Nachschub kämen hingegen mit dem Schiff.

Produktivität um 40 Prozent gestiegen

Der Bereich After Sales hat sein Tempo im Bereich Seefracht enorm erhöht. Seit Anfang 2017 ist eine voll automatische Anlage zur Bereitstellung der Autoteile in Betrieb. „Wir haben die Produktivität damit um 40 Prozent gesteigert“, sagt Wriebe. 

Früher wurden die Teile per Gabelstapler geholt. Heute bringen sie kleine Wagen auf Schienen wie von Geisterhand gesteuert direkt an die Packtische der Mitarbeiter. Dort werden sie aus den Metallboxen geholt und in Pappkartons verpackt.

Per Gabelstapler in den Container: Die Experten, wie hier Ingo Möhle aus Schauenburg, packen die Stahlkolosse so genau, dass am Ende weniger als zehn Zentimeter Luft zur Tür bestehen. Das hat den Vorteil, dass man keine Ladungssicherung mehr benötigt.

Die Kartons kommen schließlich in die Seefrachtcontainer. Dabei seien in Baunatal absolute Packspezialisten im Einsatz, erläutern Neurath und Frank Schulte, Mitarbeiter im Depot Kassel. Die Spezialisten packten die Container so genau, so dass am Ende weniger als zehn Zentimeter Platz zur Tür bleibe. „Dann ist keine Ladungssicherung mehr nötig“, sagt Neurath. Sprich: Die Kartons stützen sich gegenseitig.

Die Stärkung der Seefracht im Werk Kassel in Baunatal hat noch einen Vorteil, wie Claus Wriebe erläutert. „Es ist eine Stärkung des Standortes.“ Etwa 70 Mitarbeiter sind in dem Bereich Seefracht tätig.

Aus dem OTC 1 in Baunatal rollen die Container zunächst per Lkw ins Güterverkehrszentrum Waldau. Von dort geht’s weiter mit dem Zug zu den Häfen. Ein Container mit Teilen ist dann schonmal vier bis sechs Wochen unterwegs.

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