Winterdienst in der Region

Retter im Schneetreiben: Eine Fahrt mit einem Straßenwärter über die A7

Kreis Kassel. Pünktlich zum Berufsverkehr gegen 5.45 Uhr am Mittwochmorgen fielen dicke Flocken. Wir haben Straßenwärter Daniel Wiegand von der Autobahnmeisterei Baunatal begleitet.

Der Mitarbeiter von Hessen Mobil saß schon früh im Lkw, um die Straßen zu räumen. Der Lastwagen den Wiegand steuert, ist alles andere als filigran. Er wiegt 18 Tonnen und ist mit einem vier Meter breiten Räumpflug ausgestattet. 

Vor dem 27-Jährigen im Führerhaus sind zig Anzeigen und Knöpfe, die an ein Flugzeugcockpit erinnern. Trotzdem lenkt er das Fahrzeug so gelassen und genau, als würde er gerade ein kleines Cabrio fahren.

8.45 Uhr, ein Grad Celsius. Wir sind auf der Autobahn 7 in Richtung Staufenberg unterwegs – Wiegand räumt den Standstreifen. „Ich darf nicht zu schnell fahren, sonst knicken durch den schweren, nassen Schnee die Leitpfosten und auch die Schilder um“, sagt der Straßenwärter. Deshalb bleibt er bei 30 Stundenkilometern. 

Ein Führerhaus wie ein Cockpit: Joystick und Displays

Immer wieder schaut er, ob der Pflug richtig eingestellt ist, ändert den Winkel und die Höhe mit einem Griff zum Joystick. Ein Display zu seiner rechten verrät ihm, wie viel Salzlauge auf den Quadratmeter Straße fallen und auf welcher Breite er streut. Bis zu zwölf Meter kann er auf einmal abdecken – aktuell sind es zehn.

Kurz vor einer kleinen Brücke bremst Wiegand: „Die A 7 führt hier über einen Feldweg. Wenn da gerade ein Auto langfährt und wir den Schnee mit großem Tempo schieben, kriegt das Auto den ungebremst auf die Scheibe“, erklärt der Trendelburger.

Wir fahren bis Staufenberg. Wiegand biegt ab und steuert den Lkw wieder auf die Autobahn Richtung Kassel, diesmal auf den linken Fahrstreifen. „Das schlimmste ist für heute vorbei“, sagt Wiegand, während der Verkehr jetzt rechts an uns vorbeizieht.

Duo für sichere Autobahnen: Straßenwärter Daniel Wiegand von der Autobahnmeisterei Baunatal vor seinem 18 Tonnen schweren Räumfahrzeug.

Aufreger am frühen Morgen: Keiner bildet die Rettungsgasse

Denn sein Morgen begann zunächst völlig anders: „Ich sollte heute ab 5.30 Uhr die A 7 räumen, aber ich stand mit meinem Räum-Lkw ab Kassel-Nord im Stau“, erzählt Wiegand. Der Grund: „Auf allen drei Spuren standen trotz des Lkw-Überholverbots Lastwagen und hingen auf der Steigung durch das Schneetreiben fest.“ Und Wiegand – der eigentlich räumen sollte – kam mit seinem breiten Pflug nicht durch. Er sei von Lkw zu Lkw gegangen und habe die Fahrer gebeten, doch eine Rettungsgasse zu bilden. So habe er sich Stück für Stück vorgearbeitet. „Da muss man gelassen bleiben“, sagt er, als wir auf das Gelände der Alten Autobahnmeisterei Kassel einbiegen. Einmal muss er noch raus auf die große Bahn. Ab zwölf Uhr ist Feierabend.

Rubriklistenbild: © Gorny

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