Gegen schärfere Regeln für die Sauenhaltung

Schweinebauern sauer: Landwirtschaftliche Woche startete in Baunatal mit Demo

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Protest der Sauenhalter: Landwirte protestierten in Baunatal gegen schärfere Vorschriften für so genannte Stallkästen. 

Baunatal. Zum Auftakt der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal bereiteten Landwirte aus Nah und Fern, die Sauen halten und Ferkel züchten, der hessischen Ministerin Priska Hinz (Die Grünen) einen heißen Empfang in der Stadthalle.

Die Sauenhalter wehren sich gegen schärfere Regeln für die Sauenhaltung. Sie befürchten, dass wegen eines obergerichtlichen Urteils aus Sachsen-Anhalt – das größere, sogenannte Kastenstände verlangt – viele Betriebe auf Grund der Umbaukosten aufgeben müssen.

Doch das ist nicht das einzige Problem, das Landwirte umtreibt: Viele Betriebe verschwinden, vor allem die Schweinemastbetriebe verzeichnen Rückgänge. Die Kreise Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder sind davon stark betroffen.

„Luft nach oben“

Bei der Erwerbssituation der Bauern sei „noch viel Luft nach oben“, sagte der neue Präsident des hessischen Bauernverbands, Karsten Schmal (Waldeck-Sachsenhausen) während einer Pressekonferenz. Das schlechte, weil zu regnerische Wetter, habe im vergangenen Jahr die Erlöse gedrückt. Der Strukturwandel bei der Milchvieh- und Schweinehaltung gehe weiter. Die Milchviehhaltung sei 2016 um 5,6 Prozent, die Schweinehaltung um bis zu fünf Prozent gesunken.

Der Brexit hängt drohend über deutschen Landwirten: Bei der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal diskutierten Bauernpräsident Karsten Schmal (von links) und Europa-Staatsminister Michael Roth über mögliche finanzielle Folgen für Bauern durch den Austritt Großbritanniens aus der EU.

Immerhin erhielten Landwirte für ihre Milch nun deutlich mehr Geld als noch zu Jahresbeginn. Auch die Schweinepreise hätten angezogen. „Insgesamt ist das Niveau noch zu niedrig“, meinte Schmal. Dennoch gab er sich optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass 2017 deutlich besser als 2016 wird, was die Preissituation betrifft“, sagte der Bauernverbandspräsident.

Pessimismus von Roth

Die Aussagen des Bundestagsabgeordneten Michael Roth (SPD), Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, über die Zukunft von Europa und seine Landwirte bei der Landwirtschaftlichen Woche dürften den Optimismus etwas gebremst haben. Mit dem Ausstieg Großbritanniens aus der EU und dem damit verbundenen Ausfall von Geldmitteln kämen die 56 Milliarden Euro, die Brüssel für die Landwirte jährlich ausgebe, auf den Prüfstand. Die Bauern müssten mehr Eigenverantwortung und gesellschaftliches Engagement zeigen.

Wegen der Sauen hat Schmal einen Krisenstab seiner Landwirte einberufen. Die Ministerin habe empfohlen, einfach angrenzende Kastenstände leer stehen zu lassen, damit die Tiere mehr Platz haben. „Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagte Schmal.

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