Selbst Bonbons tragen einen Code: Ausbildung bei VW in Baunatal wird digital

+
Das Foto zeigt Florian Hillebold (links) und Eduard Kaiser beim Befüllen der Anlage. Die Azubis haben das System mit entwickelt.

Baunatal. So selbstverständlich wie junge Menschen ihr Handy in der Freizeit zücken, so selbstverständlich könnte das schon bald am Arbeitsplatz bei VW der Fall sein.

Die digitale Welt nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Der Autokonzern stellt entsprechend seine Ausbildung um. Ab 2018 können junge Frauen und Männer erstmalig eine Ausbildung zum IT-System-Elektroniker (ITSE) in der VW-Akademie im VW-Werk Kassel in Baunatal beginnen.

Die Ausbildung umfasse den IT-Bereich genauso wie den eines herkömmlichen Elektronikers, sagt Dr. Stefan Kreher, Leiter der VW-Akademie in Baunatal. Damit seien die Mitarbeiter nicht nur fit in der digitalen Welt, sondern könnten beispielsweise auch an Schaltschränken arbeiten. „Der Mitarbeiter bedient den IT-Bedarf auf dem Hallenboden“, bringt es stellvertretender Personalleiter Jörg Asmuth auf den Punkt.

2018 beginnen zunächst neun junge Leute in dem neuen Berufsfeld ITSE. Kreher geht davon aus, dass es schon in zwei, drei Jahren 70 Azubis allein in diesem Bereich geben wird. „Wir haben damit frühzeitig angefangen“, sagt der Akademie-Leiter. Auch in andere Ausbildungsberufen – wie beispielsweise dem Elektroniker für Automatisierungstechnik oder der Fachkraft für Lagerlogistik – wird die Digitalisierung zunehmen verankert. „Das Thema IT findet man in jedem Ausbildungsberuf schon integriert“, sagt Asmuth.

So müssen Instandhalter künftig ebenfalls Informationen von Teilen und Maschinen auslesen können, um Fehler zu beheben und Maschinen zu reparieren. Auch die älteren Beschäftigten will das Personalwesen in die Digitalisierung mitnehmen. „Wir wollen alle sensibilisieren für das Thema“, betont Asmuth. Qualifizierungen seien für viele Mitarbeiter in den nächsten Jahren vorgesehen.

Übers Handy bestellt: Azubi Jannik Wagner gibt Einblick in die digitale Welt. Die Maschine in der VW Akademie spuckt über Codes jederzeit alle Informationen aus. 

Den neue Ausbildungszweig halten die Verantwortlichen gerade für Mädchen gut geeignet. „Es sollen sich Mädchen bewerben“, betont Jörg Asmuth. Vier junge Frauen haben sich laut Kreher bereits auf einen Platz an der Akademie beworben.

Wie die Digitalisierung künftig in der Fabrik aussehen kann, haben Azubis jüngst an einem Modell entworfen. Dort werden bunte Bonbons in kleinen Plastikbehältern verpackt. Jeder einzelne Schritt läuft automatisch ab. Von der Bestellung der Bonbons bis zur Auslieferung. Jede Box und jedes Teil der Maschine verrät dem Mitarbeiter über Data-Matrix-Codes alle Angaben über die Produktion – alles ablesbar auf dem Handy.

„So geht die Produktion schneller voran. Und man spart einfach viele Wege“, sagt Azubi Florian Hillebold. Und Jannik Wagner ergänzt: „Es ist einfach effizienter, damit zu arbeiten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.