Staatsanwaltschaft: Auflagen für den Täter

Sperma-Affäre bei VW: Verfahren eingestellt

Kassel/Baunatal. Es war ein unappetitlicher und ungewöhnlicher Fall, der jetzt einen juristischen Abschluss gefunden hat. Dabei ging es um Spermaflecken auf der Jacke einer VW-Mitarbeiterin.

Die Spermaflecken auf der Jacke einer Mitarbeiterin des VW-Werks in Baunatal haben aber weder für den Täter noch für die Polizei, die den Mann mit nicht rechtmäßigen Mitteln überführt hat, weitreichende Folgen. Das Verfahren gegen einen 20-jährigen Mann wegen des Verdachts der Beleidigung auf sexueller Grundlage wurde Ende vergangenen Jahres von der Staatsanwaltschaft Kassel gegen eine Auflage eingestellt, wie Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, auf Anfrage der HNA erklärte.

Es ging um Spermaflecken, die der Mitarbeiter einer Fremdfirma auf der Jacke einer Kollegin im VW-Werk hinterlassen hatte. Und dies soll gleich mehrfach geschehen sein: Die Polizei ging davon aus, dass der Mann zwischen Oktober 2013 und Februar 2014 wiederholt auf die abgelegte Jacke der Kollegin ejakuliert hatte. Um den zunächst unbekannten Täter zu überführen, hatte die Polizei im April vergangenen Jahres 15 Mitarbeiter von VW zu einem freiwilligen DNA-Test eingeladen.

In einem anonymen Brief an die HNA hatte allerdings einer der betroffenen Männer geschildert, dass nicht alle die Speichelprobe als freiwillig empfunden hätten. Die untersuchten Personen seien zwar explizit darauf hingewiesen worden, dass es sich um einen freiwilligen Test handelt. Allerdings sei ihnen nicht mitgeteilt worden, aus welchen Gründen sie eine DNA-Probe abgeben sollten. Bei einer Infoveranstaltung bei der Polizei seien sie nur ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass sie damit nicht an die Öffentlichkeit gehen sollten.

Wohl mit gutem Grund: DNA-Reihenuntersuchungen dürfen nach Paragraph 81h der Strafprozessordnung nämlich nur bei Verbrechen (Mord, Vergewaltigung, Entführung) vorgenommen werden. War das Verhalten des Täters in diesem Fall auch äußerst ekelhaft, gab es dennoch keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen.

Das bestätigt auch der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Die Voraussetzungen für die DNA-Untersuchung lagen in diesem Fall nicht vor“, sagt Wied. „Streng genommen hätte man dafür auch einen richterlichen Beschluss gebraucht.“ Der lag aber auch nicht vor. Allerdings habe das unrechtmäßige Vorgehen keine strafrechtlichen Konsequenzen, sagt Wied. Auch der Täter, der schließlich eingeräumt hatte, auf die Jacke der Kollegin Sperma hinterlassen zu haben, sei dagegen nicht vorgegangen.

Bei der Kasseler Polizei hat man eingeräumt, einen Fehler begangen zu haben. „Im Bemühen, die für das Opfer belastende Straftat mit sexuellem Hintergrund aufzuklären, unterlagen die Beamten damals einem Rechtsirrtum. Die Thematik und Rechtslage haben wir anschließend intern aufgearbeitet“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner.

„Werkverbot“ - Das sagt VW

Bei VW gab es Konsequenzen für den überführten Mitarbeiter, der für eine Fremdfirma im Werk tätig war. „Da hier ein ungeheuerlicher Vorwurf im Raum stand, haben wir natürlich mit aller Konsequenz mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln reagiert. Wir haben daher ein sofortiges Werkverbot ausgesprochen, welches an allen Standorten der VW-AG gleichermaßen gültig ist“, so der stellvertretende Personalleiter, Jörg Asmuth.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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