Startklar für die Energiewende

Baunatal / Niestetal. Die Energiewende hat das ehrgeizige Ziel, Deutschland noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts überwiegend aus erneuerbaren Energien mit Strom und Wärme zu versorgen. Kommunen im Kreis haben sich auf die Fahnen geschrieben, klimaneutral zu werden.

Doch ist das realistisch? Das europäische Projekt „Energy Region“, an dem auch Baunatal und Niestetal beteiligt waren, bejaht die Frage. Allerdings werde das Ziel nur erreicht, wenn konsequent Energie eingespart, die Windenergie massiv ausgebaut werde und die Kommunen in der Region eng zusammenarbeiteten, sagt Thomas Duwe von der Klima- und Energieeffizienz Agentur Kassel (KEEA), die Partner des gerade zu Ende gegangenen Projekts ist. Akteure der „Energy Region“ haben nun im Baunataler Rathaus Bilanz des Projekts gezogen, an dem neben Niestetal, Baunatal und Cölbe (bei Marburg) auch Polen, Slowenien und Tschechien beteiligt waren.

In der Kasseler Region müssten derzeit mindestens noch 27 000 Gigwawattstunden Energie importiert werden, sagte Duwe. Die Hälfte dieses Bedarfs könne man durch konsequente Dämmung von Häuserfassaden einsparen. 14.0000 Gigawatt müssten zusätzlich vor Ort erzeugt werden. „Das heißt, wir brauchen einen massiven Ausbau der Windenergie“, erklärte Duwe.

Nicht in jeder Kommune ist das möglich. Baunatal habe nicht das Potenzial, ganz klimaneutral zu werden, sagte Erste Stadträtin Silke Engler, die bei „Energy Region“ mitgearbeitet hat. Die Stadt liege im Tal und könne daher die Windkraft kaum nutzen. Deshalb setze man konsequent auf die energetische Sanierung, den Ausbau der Fernwärme und, wie das Beispiel des Baugebiets Oberster Heimbach zeige, auf andere erneuerbare Energieformen.

Für die Baunataler City und das Wohngebiet am Baunsberg werde ein energetisches Quartierskonzept erarbeitet. Vergangenes Jahr hat die Stadt ein eigenes Förderprogramm aufgelegt. Johannes Möller als Energiebeauftragter übernimmt dabei eine „Lotsenfunktion“ , wie er sagt. Einsparpotenzial habe beispielsweise die Leiselfeld-Siedlung, wo die Häuser noch aus dem 1970er- und 1980er-Jahren stammen.

Eine positive Zwischenbilanz zog Arno Scheer, Klimaschutzmanager von Niestetal. Die Kommune habe dank ihres Klimaschutzkonzepts in drei Jahren neun Prozent der Häuser teilsanieren können. Bei Stromverbrauch und Stromerzeugung „sind wir auf einem guten Weg“, sagte er.

Künftig sei wichtig, dass Städte und ländliche Gemeinden bei der Energiewende noch enger zusammenarbeiten, sagte Armin Raatz, Geschäftführer der KEEA. Während eines Workshops habe sich herausgestellt, dass mehreren Bürgermeistern diverse Fördermöglichkeiten unbekannt gewesen seien, berichtete Duwe.

Von Peter Dilling

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