Mitarbeiter äußern sich kritisch zum Skandal um Diesel-Autos

Stimmung im Volkswagen-Werk in Baunatal ist gedrückt

Baunatal. Der Skandal um Diesel-Autos in den USA verunsichert Kunden und VW-Händler hierzulande. Auch die Mitarbeiter im VW-Werk Kassel in Baunatal befassen sich mit dem Thema.

Angesprochen auf die Manipulationen von Abgaswerten in den USA winken viele einfach nur ab. Einige äußern sich öffentlich zu den Vorfällen.

Die Mitarbeiter

Ticker zum VW-Skandal

Er sei über die Vorgänge in den USA erschrocken, sagt etwa Arthur Tomaszewski. Der 59-Jährige aus Kassel, der in der Logistik des VW-Werkes arbeitet, befürchtet, dass der „kleine Mitarbeiter“ die ganze Sache ausbaden muss. „20 Milliarden Euro ist der Verlust an der Börse“, sagt er. „Das wirkt sich auf uns aus. Wir bezahlen den Verlust.“

Auch Torsten Schürmann aus Baunatal ist verärgert über die Vorgänge. „Was die gemacht haben, ist nicht richtig“, sagt der 55-Jährige aus dem Werkzeugbau und gibt allerdings zu bedenken: Erst mal müsse man die weiteren Untersuchungen abwarten. „Es kann sein, dass andere Firmen so was auch machen.“

"Ich bin tief erschüttert, enttäuscht und wütend", kommentierte ein weiterer langjähriger Mitarbeiter den Skandal. "Das ist Wahnsinn, was da gemacht wurde, ja kriminell. Wir können es nicht fassen", sagte er im Gespräch mit der HNA. Die Beschäftigten würden ständig zu Einhaltung der Compliance-Regeln, also von Gesetzen und Richtlinien, angehalten und flögen raus, wenn sie nur eine Schraube mitgehen ließen. "Und die betrügen millionenfach, wir sind fassungslos".

Die Händler

„Natürlich erhalten wir vereinzelt Kundenanfragen zu den Testergebnissen in den USA“, sagt beispielsweise Uwe Mittelstädt vom Wolfhager VW-Autohaus Ostmann. „Da die Untersuchungen noch ohne offizielle Ergebnisse sind, ist es uns nicht möglich, die Anfragen fundiert zu beantworten. Wir warten die offizielle Stellungnahme der Volkswagen AG ab“, betont der Mitarbeiter der Geschäftsleitung bei Ostmann. Das Thema sei bei den Kunden in aller Munde, sagte Holger Bindschus vom gleichnamigen Baunataler VW-Autohaus. Und: „Man fragt sich manchmal, in welcher Kultur wir leben.“

Artikel wurde aktualisiert um 17.15 Uhr

„Wir wollen dazu nichts sagen“, sagt Jürgen Klein, Chef des Autohauses Klein in Fuldatal-Ihringshausen, lediglich. Vom Autohaus Glinicke in Kassel gab es gestern auf Anfrage keine Stellungnahme.

Der Verband

Ebenfalls zurückhaltend äußert sich der Bundesverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. „Wie bisher von VW eingeräumt, handelt es sich um ein Thema in den USA. Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Skandal auch in Deutschland auswirken wird oder dass andere Hersteller betroffen sein könnten“, sagt Sprecherin Claudia Weiler. „Informationen, dass deutsche Autohäuser die Folgen spüren oder Autokunden in selbigen vorstellig werden, liegen uns nicht vor.“ Grundsätzlich, so Weiler, seien die Händler natürlich für die Kunden in allen Fragen die ersten Ansprechpartner.

Der VW-Konzern

Der Volkswagen-Konzern versuchte gestern mit einer Pressemitteilung, Händler und Kunden zu beruhigen. „Die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU 6 aus dem Volkswagen Konzern erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen“, heißt es in der Mitteilung. Die beanstandete Software beeinflusst weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen. Somit besteht für Kunden und Händler Klarheit.“

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