Leiharbeiter sind Thema

Streit um Zukunftspakt bei VW: Welche Auswirkungen hat das auf Baunatal?

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Großes Interesse: Bei der Betriebsversammlung im Dezember wurden die Beschäftigen des VW-Werk Kassel in Baunatal über die Auswirkungen des Zukunftspaktes informiert. In Wolfsburg ist das selbst verordnete Sparprogramm in der Diskussion.  

Baunatal/Kassel. Nachdem der VW-Betriebsrat dem Vorstand per Brief angedroht hatte, den Zukunftspakt platzen zu lassen, haben wir nachgefragt, welche Auswirkungen dem VW-Werk in Baunatal drohen.

Einstellungsstopp? Weniger Azubis? Keine neuen Jobs selbst in Zukunftstechnologien? VW-Markenvorstand Herbert Diess habe das alles entgegen dem mit dem Betriebsrat gerade erst vereinbarten Zukunftspakt angeordnet. Das jedenfalls äußerte der VW-Betriebsrat jüngst und drohte dem Vorstand per Brief, den Zukunftspakt platzen zu lassen. Auswirkungen auf das Werk Kassel in Baunatal gebe es derzeit dennoch nicht, sagt der hiesige Betriebsratschef Carsten Bätzold.

Bätzold geht davon aus, dass der Vorstand heute „wieder auf die Linie der Vereinbarungen“ zurückkehren werde. In Wolfsburg findet nämlich eine Betriebsversammlung statt. „Wofür haben wir Verträge, wenn sie nicht eingehalten werden?“, fragt Bätzold.

Carsten Bätzold

Grundsätzlich gebe es weiterhin keine Bestrebungen, Produktbereiche aus dem Baunataler VW-Werk an einen anderen Standort zu verlegen, betont Bätzold im Gespräch mit der HNA. Auch die Zusage aus dem Zukunftspakt, den neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) hier zu bauen, stehe, betont der Betriebsratschef. Die Vorbereitungen im Werk für die Neuausrichtung der E-Mobilität liefen.

Der Streit zwischen Betriebsratschef Bernd Osterloh und Markenvorstand Herbert Diess schwelt am Hauptsitz in Wolfsburg indes seit Wochen. Der mühsam ausgehandelte Zukunftspakt stehe möglicherweise schon nach kurzer Zeit vor dem Aus, berichteten zahlreiche Medien.

Laut Bätzold trafen sich gestern VW-Markenvorstand Herbert Diess, Personalvorstand Karlheinz Blessing, der jüngst nur noch von „Missverständnissen“ in dieser Sache sprach, und Vertreter des Betriebsrates erneut, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren.

Herbert Diess

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Markenvorstand und Arbeitnehmervertreter ist offenbar die Weiterbeschäftigung von Leiharbeitern. Im Baunataler Werk gibt es laut Bätzold derzeit noch 685 Beschäftigte mit Zeitarbeitsverträgen.

Der Kasseler Betriebsratschef geht davon aus, dass auch die, deren Verträge im dritten und vierten Quartal nach 36 Monaten auslaufen, ein befristetes Angebot für zwei Jahre bekommen werden. „Das ist unser Ziel und dafür streiten wir auch.“ Eine Beendigung der Arbeitsverhältnisse werde der Betriebsrat nicht mitmachen, betont Bätzold.

Bis zu 23.000 Jobs fallen weg

Zum Hintergrund: Der in der zweiten Jahreshälfte 2016 ausgehandelte Zukunftspakt sieht einen Arbeitsplatzabbau bis zum Jahr 2025 von weltweit bis zu 30.000, in Deutschland von bis zu 23.000 Jobs vor. Dies soll allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gehen. Im Gegenzug sollen 9000 neue Arbeitsplätze im Bereich mehrere Zukunftsfelder entstehen.

Vom Werkmanagement bei VW in Baunatal gab es am Montag auf Anfrage keine Stellungnahme zur Umsetzung des besagten Zukunftspaktes.

Hintergrund: 

Die Auswirkungen des Sparprogramms „Zukunftspakt“, das Ende 2016 zwischen Markenvorstand und Betriebsrat geschmiedet worden war, waren bisher auf das gut laufende VW-Werk in Baunatal nicht gravierend. Der Standort müsse bis zum Jahr 2020 zwar bis zu 400 Millionen Euro einsparen, sagte Werkleiter Thorsten Jablonski im Dezember. Demgegenüber brumme aber der Getriebebau. Deshalb müsse man sich hier am Standort hinsichtlich der Beschäftigung keine Sorgen machen. Die Kapazitätsausweitung bei der Fertigung von Direktschaltgetrieben führe zu einem hohen Personalbedarf, ergänzte Betriebsratschef Carsten Bätzold. Dieser werde teilweise mit einer Erhöhung der Arbeitszeit von 35 auf 37 Stunden gedeckt.

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