99 Variantenvorschläge werden geprüft

Tennet zur Stromleitung Suedlink: „Es werden noch mehr Trassen“

Diskussion über Stromkabel: Die Suedlink-Stromtrasse soll ab dem Jahr 2022 unsere Region durchschneiden. Unklar ist noch, wo der Korridor genau entlangführt. Das Foto mit den vielen Freilandleitungen entstand bei Chemnitz. Foto: dpa

Baunatal/Schauenburg. 99 Variantenvorschläge für die geplante Stromtrasse Suedlink gibt es. Diese hat die Betreiberfirma Tennet zur Prüfung bei der Bundesnetzagentur eingereicht.

Doch dabei bleibt es möglicherweise nicht. „Es kommen in dem Verfahren vermutlich noch weitere Trassenverläufe hinzu“, sagt Thomas Wagner, bei Tennet für das öffentliche Beteiligungsverfahren zuständig, im Redaktionsgespräch mit der HNA.

Ist bei Tennet für eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit zuständig: Thomas Wagner. Foto: Kühling

Aber sind das nicht zu viele Trassen, die untersucht werden müssen und die dann in den betroffenen Regionen immer mehr Suedlink-Gegner auf den Plan rufen? Thomas Wagner verteidigt das breit angelegte öffentliche Verfahren für die ab dem Jahr 2022 vorgesehene Stromleitung von Nord- nach Süddeutschland. „Wir glauben immer noch, dass die Bürgerbeteiligung richtig ist“, sagt er. „Je mehr Möglichkeiten man untersucht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eine Variante findet, die weniger Konflikte mit sich bringt.“

Einige der Trassenvorschläge - teilweise einfach von Bürgern eingereicht - hatten für Unruhe in Nordhessen gesorgt, etwa die Idee, die eine Leitung mitten durch die Kommunen Baunatal und Schauenburg vorsieht. Geprüft wird laut Wagner intensiv, ob sich etwa in der Nähe von Ortschaften eine Erdverkabelung anbietet. Der Leitungsbau in der Erde sei zwar gegenüber Überlandleitungen mit Masten vier- bis achtmal so teuer, sagt der Tennet-Mitarbeiter. „Insgesamt haben wir bei Erdkabeln aber gute Erfahrungen gemacht.“ Bei Suedlink handele es sich um eine Gleichstromleitung. Diese werde im Gegensatz zu Wechselstrom-Erdkabeln nicht so warm. Auswirkungen auf die Natur seien ihm da keine bekannt.

Hat bereits Erfahrungen mit Erdverkabelung gesammelt: Landwirt Hermann Trecksler aus dem Emsland.

Von guten Erfahrungen mit derartigen Gleichstromkabeln berichtet auch Hermann Trecksler, Landwirt in Rhede im Emsland. Dort sollen demnächst drei Erdkabel Strom ins Umspannwerk Dörpen-West bringen, zwei Kabel sind bereits in der Erde, eines ist schon in Betrieb. „Wir sind sehr gut damit zurechtgekommen“, sagt der 59-Jährige im Gespräch mit der HNA. Inzwischen baue er schon wieder Mais auf der Fläche an, durch die die Leitungen führen. Dort sei keine Veränderung zu sehen. Und gerade Mais reagiere sonst empfindlich, betont Trecksler. Laut Wagner strahlt ein solches Erdkabel in einer Tiefe von 1,50 Metern 40 Grad Wärme an der Außenhülle ab.

„Wenn wir an Wohnbebauung kommen, sind Erdkabel eine tolle Sache“, sagt der Tennet-Mitarbeiter. Größere Waldgebiete seien aber einfacher mit herkömmlichen Leitungen zu überspannen. „Über dem Habichtswald beispielsweise wäre eine Erdverkabelung aus Naturschutzgründen nicht möglich.“ Grundsätzlich sei es sinnvoll, beide Varianten flexibel einzusetzen.

Von Sven Kühling

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