21-Jähriger war im Juni 2015 von Maschine tödlich verletzt worden

Tödlicher Roboter-Unfall bei VW: 29-Jähriger angeklagt

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Kassel/Baunatal. Ein 29-jähriger Mitarbeiter einer Montagefirma für Roboter aus Sachsen könnte verantwortlich sein für den Tod seines 21-jährigen Kollegen vor fast genau zwei Jahren im VW-Werk Kassel in Baunatal.

Vor dem Amtsgericht sei Anklage gegen den Mann wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung erhoben worden, sagt Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der HNA.

So berichteten wir damals über den Vorfall.

Dem 29-Jährigen aus dem Landkreis Mittelsachsen werde vorgeworfen, einen Programmablauf der Roboter-Anlage für einen Test gestartet zu haben, bei der sich der Roboterarm mit hoher Geschwindigkeit bewegt, erläutert Wied. Dies habe der Mitarbeiter getan, ohne zuvor geprüft zu haben, ob der Kollege sich noch in der Arbeitszelle der Maschine, also im Gefahrenbereich befunden habe.

Der 21-Jährige aus dem Landkreis Nordsachsen war von dem Roboterarm erfasst und gegen einen Arbeitstisch gedrückt worden. Nach Angaben eines VW-Sprechers nach dem Unfall war dabei der Brustkorb des jungen Mannes eingedrückt worden. Er starb kurze Zeit später an den Folgen der Verletzungen.

Fast zwei Jahre dauerten die Ermittlungen an. Mehrere Gutachten zu dem Unfallhergang wurden erstellt. Dabei war nach Angaben der Staatsanwaltschaft insbesondere die Rolle des 29-Jährigen untersucht worden, der sich zum Zeitpunkt des Unfalles im Außenbereich der neuen Anlage befand. VW hatte nach dem Unfall darauf verwiesen, dass sich die Montagestation in der Halle 6 des Werkes zum Aufbau noch in den Händen der Fremdfirma befunden habe und noch nicht an VW übergeben worden war.

Das Verfahren gegen den 29-Jährigen ist derzeit beim Amtsgericht Kassel anhängig. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens sei noch nicht entschieden worden, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

VW hielt sich zunächst bedeckt

Informationen zu tödlichem Unfall kamen erst auf Nachfrage ans Tageslicht – Ermittlungen über zwei Jahre

Volkswagen hatte sich mit der Bekanntgabe des tödlichen Roboter-Unfalls im Juni 2015 Zeit gelassen. Passiert war dieser an einem Montag. Bis zum darauffolgenden Mittwoch hatte VW noch nicht darüber berichtet. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung wurde der Vorfall überhaupt öffentlich.

Der 21-Jährige, der später durch den Roboterarm tödliche Verletzungen erlitt, und sein 29-jähriger Kollege waren jedenfalls mit der Einrichtung eines Industrieroboters beschäftigt. Das bestätigte Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, jetzt nochmal auf Anfrage. Wie es genau zu dem Unglück kam, das war lange Zeit unklar. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauerten fast zwei Jahre. Die Untersuchungen der Behörden rückten zunehmend den 29-jährigen Kollegen des Opfers ins Blickfeld. 

Die Frage war, ob dieser den Roboter startete, obwohl sich sein Kollege noch im Innenbereich der Anlage aufhielt. Jetzt erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Mann wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Passiert war der Unfall beim Aufbau des Roboters in der modernsten Halle des zweitgrößten deutschen VW-Werkes mit damals 17.000 Mitarbeitern. 

Die Nachricht, dass ein Roboter einen Arbeiter in der Autofabrik getötet hatte, verbreitete sich rasend schnell um die ganze Welt. In der Washington Post, dem Fernsehsender CNN und dem Daily Pakistan beispielsweise wurde das Unglück aufgegriffen. Die amerikanische Produktionsgesellschaft HBO plante kurze Zeit später, eine Dokumentation mit dem Titel „Asimov’s Law“ über die Beziehung von Mensch und Roboter zu drehen. 

Darin werde der Vorfall von Ende Juni 2015 im VW-Werk in Baunatal eine wichtige Rolle spielen, sagte der New Yorker Filmemacher Maxim Pozdorovkin im November gegenüber der HNA. VW-Sprecher Heiko Hillwig wollte sich jetzt mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht weiter zu den Ereignissen äußern.

800 Roboter in Baunatal installiert

Die Sicherheitsvorschriften für den Umgang mit Robotern seien sehr streng, hatte ein VW-Sprecher 2015 betont. In der Halle 6, in der der Unfall passierte, waren zu diesem Zeitpunkt 37 Automaten installiert. Insgesamt gab es am Standort Baunatal rund 800 Roboter in den verschiedenen Produktionsbereichen. Grundsätzlich sind Unfälle mit Robotern selten. Der VW-Sprecher konnte sich nur an einen ähnlichen Fall erinnern, der etwa vor 20 Jahren in der Halle 4 passiert sei. Damals sei ebenfalls ein Mensch ums Leben gekommen.

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