Hessische Werkstätten: Inklusion fängt im Kopf an

Baunatal. Zu teure Sonderwelten - mit diesem Vorurteil sehen sich Behinderten-Werkstätten konfrontiert. Deshalb lädt der Trägerverbund nordhessischer Werkstätten LAG-Nord ein.

Dem Vorwurf der Sonderwelt widerspricht Oliver Pick, Sprecher der LAG-Nord: „Seit Jahrzehnten versuchen wir, die Menschen nach den gesetzlichen Vorschriften beispielsweise durch ein Praktikum auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln.“ Man habe bereits einige Menschen mit Behinderung in betriebsintegrierte Beschäftigungen vermittelt. Es müsse jedoch das Recht eines jeden Behinderten sein, zugeben zu dürfen, wenn er sich nicht mit den anderen messen könne und lieber in einem geschützten Umfeld arbeiten wolle.

Picks Schätzungen zufolge sind die Werkstätten für circa 93 Prozent der Menschen mit Behinderung die richtige Arbeitsstätte. „Nichtsdestotrotz fördern wir jeden, der sich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt versuchen möchte.“ Dies ginge jedoch nur mit der entsprechenden Begleitung.

Inklusion leben

Inklusion sei erstrebenswert, wenn sie richtig gelebt werde. „Das ist aber erst der Fall, wenn es keine extra abgesenkten Bordsteine, Behindertenparkplätze und -toiletten gibt, sondern alles von vornherein passt.“ Inklusion fange im Kopf an. „Es würde mich freuen, wenn alle gleich behandelt würden, aber dann müsste auch alles so eingerichtet sein, dass es jeder nutzen kann.“

Prof. Bernd Halfar

Die Werkstätten würden zwar bundesweit über die Pflegesätze finanziert - über direkte und indirekte Steuern, Fahrtkostenerstattungen und Sozialversicherungsbeiträge flösse jedoch wieder Geld zurück in die Gesellschaft. „Unsere Werkstätten mit knapp 400 hauptamtlichen Arbeitsplätzen stärken die Kaufkraft in der Region“, entkräftigt Pick den Vorwurf, Werkstätten seien zu teuer.

Regionale Firmen unterstützen

Man kaufe in der Region Materialien für die Werkstätten ein und beauftrage für die Instandsetzung der Einrichtungen ebenfalls regionale Firmen. „Zu diesem sogenannten Social Return on Investment wird Professor Dr. Bernd Halfar bei der Podiumsdiskussion einen Vortrag halten.“

Dieser beruht auf Ergebnissen einer Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Dabei wurde erstmals bundesweit die Sozialbilanz von 26 Werkstätten für behinderte Menschen ausgewertet. Mit der Behindertenhilfe Bergstraße aus Bensheim und der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie aus Mühltal wurden bei der Studie auch zwei Einrichtungen aus Hessen ausgewertet.

Info: Podiumsdiskussion, Montag, 20. April, ab 17 Uhr in der Stadthalle Baunatal.

Rubriklistenbild: © dpa

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