Mit 25 Jahren outete sie sich

Eine Transfrau aus Baunatal erzählt von ihrem Weg

+
Hat das Grau überwunden: Lucy Hofmeister, Transfrau und Leiterin einer Selbsthilfegruppe.

Baunatal. Sie kam mit den biologischen Merkmalen eines Mannes zur Welt und wuchs als Junge auf. Mit 22 Jahren erkennt die Baunatalerin dann ihre wahre Identität und tritt den Weg vom Mann zur Frau an.

Es ist noch nicht lange her, da war die Welt für Lucy Hofmeister noch schwarz und weiß und grau. Dann kam der 24. Dezember 2016 – und mit Weihnachten begann ein hellerer, ein bunter Abschnitt im Leben der heute 27-Jährigen.

Hofmeister wurde mit einem männlichen Körper geboren. Es dauerte Jahre, bis sie selbst realisierte, dass ihre wahre, ihre gefühlte geschlechtliche Identität eine weibliche ist.

Irgendwie unglücklich

„Ich war zwar schon immer irgendwie anders“, sagt Hofmeister, wenn sie an ihre Kindheit und ihre Jugend zurückdenkt. So habe sie sich schon früh von den Jungen in ihrer Klasse unterschieden, sich lieber mit Mädchen getroffen.

Trotzdem sei sie als Junge aufgewachsen. Ihren Eltern habe sie nichts von ihren Gefühlen erzählt, sagt sie, „warum auch, man konnte sich ja gar nicht erklären“.

Auch in ihrer Pubertät lastete das Anderssein auf ihr. Das weiß sie von ihrer Mutter. Nicht leicht auszuhalten sei sie gewesen, distanziert, „irgendwie unglücklich“. Ihre Zeit als Heranwachsende beschreibt sie als einsam. Dass etwas nicht gestimmt hat, könne man auf den Fotos von damals erkennen.

Etwas ist anders

Ihr Bewusstsein darüber, dass das, was irgendwie anders war, etwas mit ihrer geschlechtlichen Identität zu tun hatte, war damals noch diffus, nicht greifbar für sie. „Man sieht die Welt insgesamt mit ganz anderen Augen“, sagt Hofmeister: Früher die Mädchen, die typische Mädchensachen machten, heute die Frauen, die Make-up und schöne Kleider tragen. Anders als die anderen Jungen sei sie neidisch auf die Mädchen gewesen, anders als andere männliche Jugendliche habe sie den Frauen nicht hinterhergeschaut.

Ein Begriff als Antwort

„Ich habe mit 22 Jahren das erste Mal den Begriff Transgender gehört“, sagt Hofmeister. Daraufhin habe sie nachgeforscht, im Internet, sich schlaugemacht und begriffen, „dass es überhaupt so etwas gibt“: Einen Begriff, der das Anderssein zur Identität werden lässt, der die Antwort auf die Fragen und die Unsicherheiten gibt, die sie eine Jugend lang in sich trug.

Und so entschied Lucy Hofmeister für sich, von nun an als Frau zu leben. Mit 25 Jahren outete sie sich. „Sehr, sehr schön“ sei es gewesen, dass ihre Familie das Ungewohnte bald akzeptierte.

Kurz darauf suchte sie sich einen Therapeuten. Teil der Therapie: der Alltagstest. Er soll späteren Zweifeln vorbeugen. Also lebte Hofmeister ein Jahr lang nach ihrem gefühlten Geschlecht, kleidete sich wie eine Frau, auch draußen. „Dann gucken einen die Leute natürlich an“, sagt sie, spricht von dem Druck, der entsteht, wenn die Menschen ihre Blicke auf den Mann in Frauenkleidung richten.

Nur noch bergauf

Doch dann: der 24. Dezember 2016. „Ein geileres Weihnachtsgeschenk gibt es doch gar nicht“, habe sie gedacht, als das Rezept für die Hormone im Briefkasten war, die sie sich seitdem als Gel auf die Haut aufträgt. Die Hormone lassen die Brüste wachsen, sie lassen Haut und Gesichtszüge weicher werden. Nächstes Jahr wird sich Hofmeister auch operativ ihr Geschlecht angleichen lassen.

„Ich war so überglücklich“, erinnert sie sich. Die Freude auf das, was das Leben neben Identitätsfragen noch für sie bereithält, ist ihr anzusehen. Seit Anfang 2017 gehe es nur noch bergauf. „Wie auf einem Regenbogen“, sagt Lucy – eine Frau, die endlich mit sich im Reinen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.