Isabel Kranz ist die Königin der Lüfte

Cheerleading beim KSV Baunatal: So fühlt es sich an, durch die Luft geworfen zu werden

Baunatal/Oelshausen. Isabel Kranz ist erst neun, aber zu ihr schauen alle auf. Das Mädchen aus Oelshausen macht Cheerleading beim KSV Baunatal. Wie ist es, durch die Luft geworfen zu werden?

Schaut man Isabel Kranz (9) beim Fliegen zu, bekommt man schnell Respekt. Die Neunjährige aus Oelshausen macht Cheerleading – und sie ist Flyerin. Das heißt: Isabel wird in die Luft gehoben, geworfen und natürlich immer wieder gefangen. Wir wollten von ihr wissen, wie sich das anfühlt und haben die Jüngste im Team beim Training mit den Rocket Cheer Starshooters vom KSV Baunatal getroffen.

Die drei Wochen langen Weihnachtsferien liegen hinter den Mädchen zwischen neun und 16 Jahren – trotzdem steigen die sieben Mädels mit ihrer Trainerin Lena Senf gleich wieder richtig ins Training ein. Erst gut dehnen, Spagat mit inbegriffen, dann geht’s in die Vollen: Sie üben Hebefiguren (stunts), die Namen tragen wie „Elevator“ (zu deutsch: Fahrstuhl) und „Teddy“. Beim Elevator stemmen vier Mädels Isabel mit Schwung hoch, sie reckt die Arme in die Luft und lässt sich fallen.

Ist seit einem knappen Jahr dabei und schon ziemlich routiniert: Isabel Kranz (9) aus Oelshausen macht beim KSV Baunatal Cheerleading. 

Wie ein Sprung vom Dreier

„Das ist so, als würde ich vom Dreier springen“, sagt die 27 Kilogramm leichte Isabel über das Gefühl, in die Luft geworfen zu werden. „Ein bisschen gruselt es mich, weil ich nicht genau weiß, wie ich aufkomme.“ Aber eins ist klar: Sie kann ihren Teammitgliedern vertrauen, dass sie Isabel auf jeden Fall auffangen. Mittlerweile habe die Viertklässlerin der Erpetalschule Wenigenhasungen kaum noch Bauchkribbeln vor dem Absprung. Nach einem knappen Jahr im Team ist das Mädchen, das vorher schon geturnt hat, routiniert. So steht sie bei ihren stunts auch mit zufriedenem Lächeln auf den Händen der anderen Mädchen.

Sicher in der Luft: Isabell Kranz übt gerade den Elevator (Fahrstuhl) mit ihren Team-Kameradinnen.

„Bei uns stehen Spaß und Sicherheit im Vordergrund“, sagt Trainerin Lena Senf (21). Sie führe die Cheerleaderinnen langsam an das Turnen, Springen und Pyramiden bauen heran, sodass sie Vertrauen zueinander aufbauen. „Wenn die Mädels mal fallen, geht’s gleich wieder hoch, damit sie keine Angst entwickeln.“

Apropos Mädchen, warum sind eigentlich keine Jungs im Team? „Die gibt’s nur in der Truppe der älteren ab 17 Jahren“, sagt Senf. Als Grund nennt sie das Klischée, das dem Sport anhängt: „Jungen denken, dass Cheerleading nur für Mädchen sei, ein bisschen Gezappel am Rand. Aber das stimmt nicht. Der Sport erfordert Kraft, Ausdauer, Mut und vor allem Körperspannung.“ Da seien Jungs nicht fehl am Platz. Jungs hin oder her, Isabel ist jedenfalls glücklich, dass sie endlich wieder in ihrem Team trainieren kann. Sie will auf jeden Fall noch am Querspagat arbeiten, bei dem sie das linke Bein nach vorn und das rechte nach hinten streckt. „Der ist noch nicht so gut“, sagt sie selbstkritisch. Beim Kreis am Schluss rufen die Mädchen: „Can we rock – yes we can. Rockets!“ (deutsch: Können wir’s rocken, ja das können wir. Raketen!). So motiviert kann man nach Hause gehen. Die Rocket Cheer Starshooters suchen noch weitere Cheerleader. 

Cheerleading in Zahlen

Cheerleading ist eine Mischung aus Tanz, Aerobic, Akrobatik, Bodenturnen, Anfeuern und Show. Der Sport in Zahlen.

  • 9 von 10 aller Cheerleader sind Frauen. Bis 1923 war der Sport allerdings eine reine Männerdomäne.
  • 12 Worte darf ein sogenannter Chant haben, ein Anfeuerungsruf, den eine Cheerleadinggruppe mindestens dreimal mit dazugehörigen Bewegungen zeigt, um zum Beispiel die Abwehr eines Teams anzufeuern: „Let’s go defense, let’s go“ (zu deutsch: Auf geht’s, Abwehr, auf geht’s).
  • 30 Jahre lang hat sich Cheerleading in Europa etabliert. Der Grund dafür, dass der Sport aus den USA hinüberschwappte, war die höhere Nachfrage nach Unterhaltungssportarten wie American Football und Basketball.
  • 65 Prozent aller schwerwiegenden Verletzungen im US-amerikanischen Jugendsport ziehen sich Sportler laut einer Studie beim Cheerleading zu.
  • 148 Jahre ist es her, dass die ersten Cheerleader auftraten. Das war 1869 in den USA bei einem Footballspiel zwischen den Universitätsmannschaften Princeton und Rutgers.
  • 15.000 Einzelmitglieder hat der Cheerleading und Cheerdance Verband Deutschland, die Dachorganisation aller Vereine. Der Verband wurde 2017 offiziell vom Deutschen Olympischen Sportbund anerkannt.

Die Abteilung des KSV Baunatal

Die Cheerleading-Abteilung beim KSV Baunatal hat 25 Mitglieder. Sie wurde 2010 beim Verein an der Bauna angesiedelt. Kinder und Jugendliche zwischen neun und 16 Jahren, die den Sport ausprobieren wollen, können bei den Rocket Cheer Starshooters (Juniors) vorbeischauen. Sie trainieren dienstags zwischen 18 und 20 Uhr (Sporthalle der Friedrich-Ebert-Grundschule Baunatal, Akazienallee 23).

Das Team für ältere heißt Rocket Cheer Invaders (Seniors) und ist ab 17 Jahren. Trainingszeiten sind mittwochs von 19 bis 21.30 Uhr (Rundsporthalle Baunatal, Friedrich-Ebert-Allee), donnerstags von 20 bis 22 Uhr (Sporthalle der Friedrich-Ebert-Grundschule Baunatal) und sonntags 17 bis 20 Uhr (Sporthalle der Friedrich-Ebert-Grundschule Baunatal).

Rubriklistenbild: © Gorny

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