Polizei gibt Tipps, wie man sich schützen kann

Trickbetrug via Facebook-Anfrage

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Der Preis für gut gemeinte Hilfsbereitschaft: Immer wieder fallen Facebook-Nutzer auf Trickbetrüger herein, die mit kopierten und verfälschten Benutzerprofilen sensible Daten wie Handy-Nummern und sogar Tan-Nummern gelangen wollen.

Baunatal. Mit einer alten Betrugsmasche gelingt es Tätern immer wieder, Menschen übers Ohr zu hauen: Mit einem gefälschten Facebook-Profil wurde ein Nutzer aus Baunatal abgezockt.

Jörg Petersohn aus Rengershausen staunte, als plötzlich eine gute Bekannte aus Großenritte bei ihm eine Freundschaftsanfrage via Facebook stellte. Dabei war sie längst in seiner Freundschaftsliste aufgenommen. Dennoch klickte er die Anfrage an - und der Betrugsversuch nahm seinen Lauf.

Sie sei im Krankenhaus, habe einen Autounfall gehabt und bräuchte nun dringend seine Handy-Nummer, berichtet Petersohn. Zunächst schöpfte er keinen Verdacht, der Facebook-Account der Bekannten sah täuschend echt aus. Gutgläubig gab er seine Handy-Nummer weiter.

Kurz darauf bekam er eine SMS auf sein Handy geschickt. Das Online-Bezahlsystem PayPal sendete ihm eine Zahlungsaufforderung über 29,99 Euro. Fehlte nur noch die Transaktionsnummer (Tan), um die Überweisung zu tätigen. Sofort danach kam eine zweite SMS, angeblich von seiner Bekannten. „Bitte bezahle das, ich erkläre es dir später. Es ist wichtig.“

Jetzt wurde Petersohn aufmerksam, „nein, so kann das nicht laufen“, sagte er sich. Jetzt war er es, der direkt bei seiner Bekannten anrief und nachfragte. „Keineswegs war sie im Krankenhaus. Auch hatte sie keinen Autounfall“, sagt Petersohn. Alles war Schwindel - der Facebook-Account, die PayPal-SMS und die SMS der Bekannten. Er rief bei der Polizei an und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

„Petersohn hat alles richtig gemacht“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. „Er hat den Betrug rechtzeitig erkannt, sich selbst bei der Bekannten vergewissert und anschließend bei der Polizei Anzeige erstattet.“

Tatsächlich sei die Betrugsmasche nicht neu. „Dennoch gelingt es den Tätern immer wieder, mit kopierten und gefälschten Facebook-Profilen Nutzer zu täuschen und abzuzocken“, sagt Jungnitsch. Dennoch seien die Fallzahlen noch gering, Statistiken über aufgeklärte Fälle und von wo aus die Täter agieren, gibt es noch nicht.

Tatsache aber ist, dass der Betrugsversuch im Fall Jörg Petersohn wie im Bilderbuch abgelaufen ist. „Genauso funktioniert die Masche.“ Hätte der Rengershauser seine Tan-Nummer übermittelt, wären ihm die 29,99 Euro bei der nächsten Mobilfunkrechnung abgebucht worden.

„Für diese Betrugsmasche sind besonders Facebook-Profile anfällig, bei denen viele Inhalte ohne Einschränkungen öffentlich zugänglich sind“, sagt Jungnitsch. Hier sollte der gesunde Menschenverstand vor Hilfsbereitschaft stehen.

„Warum sollte ein guter Freund nach der Handy-Nummer fragen, wo er sie wahrscheinlich doch schon hat?“, fragt Jungnitsch. Und überhaupt: „Niemals sollte man Tan-Nummern für Dritte eingeben oder verschicken.“

Schutz vor Online-Betrug: Das rät die Polizei

Um den Online-Trickbetrügern ihr Treiben zu erschweren, rät die Kriminalpolizei entsprechende Einstellungen auf dem persönlichen Facebook-Account zu tätigen:

• Unter dem Menüpunkt „Privatsphäre bearbeiten“ sollte stets bestimmt werden, für wen genau einzelne Inhalte sichtbar werden.

• Empfohlen wird auch die Änderung der Einstellungen von „öffentlich“ auf „nur Freunde“ oder „nur Ich“ für die Freundesliste. Ebenso sollte mit dem Profilbild verfahren werden.

• Wurde der Account bereits kopiert, sollte das falsche Profil an Facebook gemeldet werden und ein Warnhinweis, dass ein falsches Profil erstellt wurde, auf der eigenen Seite eingetragen werden.

• Erhalten Facebook-Nutzer eine Freundschaftsanfrage von einem bereits bekannten Profil, so sollte besser der direkte Kontakt gesucht werden, um die Anfrage abzuklären.

• Nie sollte die Handynummer per Facebook-Nachricht verschickt werden, wenn die Identität des Adressaten nicht eindeutig klar ist.

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