Wenn Musik in der Familie liegt

Vier Generationen der Familie Heine geben beim Musikzug Großenritte den Ton an

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Klangvolle Tradition: Reiner Heine (links) mit seinem funkelnagelneuen Tenorhorn, das er zum Abschied als Musikzug-Chef bekam, und Sohn Nils, der Trompete spielt und nun die Abteilung leitet.

Baunatal. 31 Jahre leitete Reiner Heine (67) die Abteilung Musikzug im Sportverein GSV Eintracht Baunatal. Nun hat er den Stab weitergegeben – aber nicht an irgendjemanden.

Der eigene Sohn tritt in die Fußstapfen. Das allein sind schon zwei bemerkenswerte Fakten. Doch darüber hinaus setzt Nils Heine (36) eine außergewöhnliche Familientradition fort: Er führt bereits in vierter Generation das Zepter im Großenritter Orchester.

100 Jahre zurück. Da schließt sich der 13-jährige Martin Heine dem örtlichen Spielmannszug an. Ein halbes Jahrhundert wird der Pfeifer und Hornist dabei bleiben. 1964, vier Jahre vor seinem Ausscheiden, begeistert er seinen Enkel Reiner für das klingende Spiel. Der ist inzwischen stolze 54 Jahre dabei. Ab sofort zwar nicht mehr als Abteilungschef, aber doch mit prägender Stimme – schließlich spielt er weiterhin das Tenorhorn mit seinem sonoren Klangvolumen.

Fehlt noch die Generation zwischen Uropa Martin und Vater Reiner. Opa Heinz Heine ließ zwar die Instrumente links liegen. Doch zunächst als Hauptkassierer und schließlich 19 Jahre als Vorsitzender des Gesamtvereins Eintracht Großenritte bestimmte auch er die Geschicke der Musiker.

Als er 1994 starb, spielte Enkel Nils schon zehn Jahre im Musikzug Trompete und Flügelhorn. Vor zwei Jahrzehnten übernahm er den ersten Vorstandsposten. Seit 2006 leitet er das Jugendorchester des Musikzugs, seit 2010 ist er als Vertreter von Peter Cloos auch musikalischer Vizechef des Blasorchesters. Und nun tritt er in die Fußstapfen von Vater Reiner, der wegen seiner Verdienste zum ersten Ehrenvorsitzenden gekürt wurde.

Ein harmonischer Übergang, davon sind beide überzeugt. Reiner Heine will, was die Abteilungsleitung angeht, „nur noch antworten, wenn ich gefragt werde“. Nils Heine möchte das Amt im Sinne des Vaters fortführen. Er will sein Organisationstalent noch stärker einbringen, die Digitalisierung der internen Verwaltung forcieren und „die Aufgaben auf mehr Schultern verteilen“. Denn: „Ich setze auf Teamarbeit.“ So wie im Berufsleben – der 36-jährige Medienwissenschaftler arbeitet als Projektleiter in einer Kasseler Kommunikationsagentur.

Reiner Heine, bis zum Ruhestand viele Jahre Leiter der Willy-Brandt-Schule in Kassel, bleibt auf einem anderen Feld an vorderer Stelle aktiv. Er führt weiterhin die Fraktion der SPD-Mehrheit im Baunataler Stadtparlament. Übrigens auch eine Art Familienerbe: Vater Heinz Heine engagierte sich zwei Jahrzehnte als Gemeindevertreter, Stadtverordneter und Kreistagsmitglied der Genossen.

Die Familiensaga ist damit jedoch immer noch nicht komplett. „Ich bin doppelt vorbelastet“, sagt Nils Heine. Denn auch sein Uropa mütterlicherseits, Heinrich Neuroth, war im Spielmannszug aktiv. Ihm folgte später Enkelin Helga nach – und lernte im Orchester einen jungen Mann namens Reiner Heine kennen. Die Hochzeitsglocken läuteten, zwei Kinder kamen zur Welt, Stefanie und Nils. Mutter Helga (heute 62) legte zwar die Querflöte zur Seite, aber die Liebe zur Musik gaben die jungen Eltern weiter. Übrigens auch an die Tochter. Die nämlich spielte zehn Jahre lang Klarinette im Musikzug.

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