Blick hinter die Kulissen

Wartungsarbeiten im VW-Kraftwerk: Kamera blickt in riesige Turbine

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Untersuchung beginnt: Der Schwede Andreas Karlsson fährt mit der Kamera ins Innere der Gasturbine. Bei der Boroskopie wird die Anlage auf mögliche Schäden untersucht.

Die Turbinen im VW-Kraftwerk in Baunatal sind enormen Belastungen ausgesetzt. Regelmäßig muss alles gewartet werden. Wir waren dabei.

Es ist ein bisschen wie im Operationssaal: Andreas Karlsson schiebt das schwarze Kabel mit dem hellen Licht und der Kamera an der Spitze Stück für Stück weiter. Die Fahrt der Kamera verfolgt er über einen kleinen Monitor.

Bei der Boroskopie handelt es sich allerdings nicht um die Untersuchung eines menschlichen Körpers – der schwedische Techniker blickt ins Innenleben einer riesigen Gasturbine im Kraftwerk von VW in Baunatal.

Eine Woche steht die mächtige Anlage, deren Turbinenrad sich normalerweise mit bis zu 6600 Umdrehungen pro Minute dreht, komplett still. Wo sonst in der Spitze 70 bis 75 Megawatt Strom produziert werden – so viel wie für 120 000 Haushalte – und Temperaturen von über 1000 Grad herrschen, dreht sich kein Rad. „Es ist wie bei einem Auto“, sagt Kraftwerkchef Oliver Westphal. Nach einer bestimmten Laufleistung müsse auch eine Turbine zur Inspektion.

Weit im Vorfeld sollten derartige Wartungsarbeiten geplant werden, erläutert Westphal weiter. Schließlich müssen das Baunataler Werk und die vielen Tausend Maschinen auch in dieser Zeit mit Energie versorgt werden. Den Strom bekommt das Werk Kassel dann von den anderen Standorten der VW Kraftwerks GmbH aus dem sogenannten Bilanzkreis des Autokonzerns, etwa aus Wolfsburg. Dort steht das größte VW-eigene Kraftwerk. Wenn der Strom von dritten Stromanbietern günstiger sei, kaufe man sogar etwas von diesen hinzu. So könne man alle unterbrechungsfrei versorgen, sagt der Leiter.

Ebenfalls keine Einschnitte gibt es trotz der Turbinen-Inspektion bei der Belieferung von städtischen Gebäuden in Baunatal sowie einiger Wohngebiete mit Fernwärme. Diese sei durch den vorübergehenden Einsatz von Heißwasserkesseln sichergestellt, sagt Westphal. Es gebe für alle technischen Anlagen immer ein Backup.

Sie sorgen dafür, dass bald alles wieder läuft: Kraftwerkleiter Oliver Westphal und Siemens-Techniker Uwe Johannsmeier vor der riesigen Gasturbinen-Anlage im VW-Kraftwerk.

Besonders die Turbinenschaufeln sind enormen Belastungen ausgesetzt. Durch die große Hitze, die auf das Metall wirkt, und die bei der Drehung der Turbine entstehenden Fliehkräfte, könnte es zu Schäden kommen, erläutern Westphal und Uwe Johannsmeier von der Firma Siemens, die die Wartung im Baunataler Kraftwerk vornimmt. Die Experten kommen teilweise aus dem schwedischen Finspong, wo die Turbine auch gefertigt wurde, und aus Ungarn. „No Pitting (Kein Lochfraß)“, sagt Andreas Karlsson, bei einem ersten Blick in die Maschine.

Die Prüfung der Anlage findet diesmal lediglich optisch statt. Nur bei einem Schaden müsse man notfalls die Turbine öffnen. Die jetzige routinemäßige Untersuchung diene auch der Sicherheit, betont Westphal. Einmal natürlich der Sicherheit der Mitarbeiter und zum anderen der Versorgungssicherheit für die Fabrik. Im Jahr 2020 steht dann im Baunataler Kraftwerk die nächste größere Inspektion an. Zu diesem Termin wird die Turbine noch intensiver unter die Lupe genommen. Dann ruht sie für mindestens drei Wochen.

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