Produktion der E-Antriebe wird teilweise an Salzgitter abgegeben

VW baut weltweit 30.000 Stellen ab - Arbeitsplätze in Baunatal nicht in Gefahr

Kassel/Baunatal. Volkswagen baut weltweit 30.000 Arbeitsplätze ab. Im VW-Werk Kassel in Baunatal stehen zumindest in naher Zukunft keine Stellen auf dem Spiel.

Aktualisiert um 14.41 Uhr

In Deutschland sollen bis zu 23.000 Jobs wegfallen. Darauf einigten sich Vorstand und Betriebsrat mit dem Zukunftspakt für die Marke Volkswagen. 

Der Baunataler Werkleiter Thorsten Jablonski und Betriebsratschef Carsten Bätzold berichteten am Freitag in einer Gesprächsrunde mit der Presse, dass die Stellen in Baunatal derzeit sicher seien. Selbst für die rund 1000 Leiharbeiter in Baunatal gibt es eine Perspektive. „Ich glaube, dass wir das mit den Leiharbeitern hier hin bekommen“, sagte Bätzold. Weil der Standort derzeit sehr gut da stehe, gebe es aktuell keine Absage an Leiharbeiter. Neu organisiert wird allerdings der Bereich der Elektromobilität. Bei der Fertigung der E-Motoren bleibt Baunatal nicht mehr alleiniger Produktionsstandort. Laut Jablonski und Bätzold gibt es eine Kooperation mit dem Motorenwerk Salzgitter. Jeweils zu 50 Prozent werden in den beiden Werken die Elektromotoren für die demnächst auf den Markt kommenden reinen Elektroautos gebaut – wie etwa für den jüngst in Paris präsentierten VW I.D.

„In Baunatal bauen wir außerdem die Motoren für den e-Golf und den e-Up“, erläuterte Bätzold. Und: Der nordhessische Standort bleibt Leitwerk von Volkswagen im Bereich E-Antrieb. „Wir haben hier eine besondere Verantwortung bekommen“, so Jablonski. Planung und Entwicklung blieben hier. „Der fertige E-Antrieb wird aus Kassel kommen.“ 

Mit der Neuausrichtung der Marke Volkswagen nach dem Abgasskandal wird der Bereich der E-Mobilität massiv ausgebaut. Die Halle 6 als Produktionsbereich reiche da nicht mehr aus, erläuterte Baunatals Werkleiter. Ständig sei man schon jetzt dabei, Bereiche dafür in der Fabrik frei zu machen.

Den Live-Ticker aus der Pressekonferenz gibt es hier zum Nachlesen:

Live Blog VW baut weltweit 30.000 Stellen ab: Pressekonferenz im VW-Werk Kassel
 

Das Wichtigste in Kürze:

  • der E-Antrieb bleibt in Kassel, muss aber Federn lassen:  Die Produktion der E-Antriebe für die neuen E-Fahrzeuge von VW werden zu 50 Prozent nach Salzgitter abgegeben, die Produktion der Antriebe für e-Golf und e-Up bleiben in Kassel.
  • die Brückentechnologie Hybrid wird verstärkt ausgebaut 
  • Arbeitsplätze in konventionellen Technologien wie etwa im Bereich Abgasanlagen sollen am Standort sicher sein
  • Bisher gibt es keine Absage an Leiharbeiter

    In Wolfsburg gab es bereits am Vormittag eine zentrale Pressekonferenz. Vom Betriebsrat aus Wolfsburg kam folgende Information zum VW-Standort Kassel:


  • E-Antrieb: Kassel übernimmt die Verantwortung als Leitwerk für die Fertigung des Getriebes und die Montage des Antriebes für den Modularen Elektrobaukasten (MEB).

  • Hybridgetriebe: Für die absehbaren Zusatzbedarfe von Hybridgetrieben stellt das Unternehmen Investitionsmittel bereit. Die Hybridgetriebe werden im Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität für zusätzliche Beschäftigung sorgen.

  • Gießerei: Die vorhandenen Kapazitäten der Gießerei und der Bearbeitung werden mit Getriebe-, Antriebs- und Strukturteilen ausgelastet. Weitere Investitionen in die Schmelze werden den wirtschaftlichen Betrieb sichern.

  • Warmumformung: Das Unternehmen sagt die Auslastung der vorhandenen Warmumformkapazitäten zu.

  • Abgasanlagen: Die Abgasanlagenfertigung läuft weiter und leistet einen strategischen Beitrag zur Einhaltung der Abgasgesetzgebung und zur Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen bei den Verbrennungsantrieben.

  • Presswerk und Karosseriebau: Mit dem Aufbau einer Originalteile-Fabrik für Karosserieteile wird der Lieferanteil in den Konzern After Sales (VO) erhöht.

Was derzeit allgemein über den Stellenabbau bekannt ist:

Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben, der Abbau soll etwa mit Hilfe von Altersteilzeit geregelt werden. Zuerst hatte das "Handelsblatt" über die Ergebnisse des sogenannten Zukunftspakts berichtet. Der gesamte Volkswagen-Konzern beschäftigt weltweit mehr als 624.000 Menschen, 282.000 davon in Deutschland.

Volkswagen hat an vielen Stellen zu kämpfen. Der Abgas-Skandal zwingt den Autobauer zum Sparen, zugleich muss der Konzern viel Geld in zentrale neue Trends der Branche stecken: Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe. Dazu hat die Pkw-Kernmarke seit langem ein Rendite-Problem. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen.

VW will mit den Maßnahmen die Kosten bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro pro Jahr drücken. Das Unternehmen wollte sich am Morgen nicht zu den Inhalten äußern und verwies auf die Pressekonferenz in Wolfsburg (9.30 Uhr), bei der die Ergebnisse der zähen Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmen vorgestellt werden sollten. VW und die Arbeitnehmervertreter standen bei den Verhandlungen unter Druck, der Abschluss des Zukunftspakts war die Voraussetzung für den Investitionsplan des Autobauers bis 2021, über den der Aufsichtsrat am Freitag in Wolfsburg beraten und vor allem beschließen sollte. Dabei geht es um die Verwendung von rund 100 Milliarden Euro. (mit dpa)

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/Archiv

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