Lieferungen in die ganze Welt

Volkswagens Geschäft mit Ersatzteilen - Baunatal liefert in die entlegensten Winkel der Welt

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Von hier aus werden zahlreiche VW-Händler in der Mitte Deutschlands mit Teilen beliefert: Der neue OTLG-Chef Klaus Bodensteiner steht hier im Versand des Vertriebszentrums Mitte unter dem Dach des OTC in Baunatal.

Spricht Dr. Klaus Bodensteiner über Kassel und Umgebung, dann gerät er ins Schwärmen. Nicht nur über den Radweg zwischen Wolfsanger und Hann. Münden, den KSV und die Huskies, sondern auch über seinen Arbeitgeber VW.

„Kassel – das ist das Herz der After-Sales-Welt“, sagt der neue Chef der Original-Teile-Logistik (OTLG) und hebt damit die Bedeutung des Autoteilegeschäfts für VW und die Region hervor.

Seit März leitet Bodensteiner als Nachfolger von Michael Scholtyssek die OTLG, die alle VW-Händler in Deutschland täglich mit Teilen beliefert. Zuvor war er – ebenfalls unter dem Dach des Original-Teile-Centers (OTC) in Baunatal – in den weltweiten Versand von Ersatzteilen eingebunden. Unter anderem verantwortete er für ein Jahr das After-Sales-Geschäft in Argentinien: „Das ist Kassel in klein.“

Mit den Original-Teilen verdient der VW-Konzern gutes Geld. Das bestätigt auch Klaus Bodensteiner. „Für den Gesamtkonzern ist das ein äußerst wichtiges Geschäftsfeld“, sagt er. Zahlen nennt er aber nicht. Immerhin ist die OTLG eine der größten Tochtergesellschaften im VW-Konzern.

Rund 3000 Mitarbeiter sind in Deutschland tätig. Aus sieben Vertriebszentren werden die Autohäuser der Konzernmarken täglich beliefert. Mit dem VZ Mitte hat Baunatal nicht nur eines dieser Verteilzentren, sondern dort ist außerdem die Zentrale angesiedelt.

Volkswagens Ersatzteile-Chef will noch mehr Verbesserungen

Die Versorgung der Autohäuser mit Teilen und damit der Kunden, die auf eine Reparatur warten, sieht Bodensteiner schon nahezu ausgereizt. „Das ist auf einem hervorragenden Leistungsniveau“, sagt der gebürtige Münchner und verweist auf eine Versorgungsquote von 99 Prozent innerhalb von 24 Stunden. Dennoch will der neue OTLG-Chef für Verbesserungen sorgen. Die Autohäuser müssten noch kundenorientierter arbeiten, betont er. „Wir sind im täglichen Austausch mit allen Autohäusern des Volkswagen-Konzerns. Das Herz der OTLG schlägt für die Autohäuser.“

In seiner Freizeit tummelt sich der 44-Jährige oft mit seinem Sohn auf Fußballplätzen. Gerne gehe er zum KSV, gibt Bodensteiner zu. „Das ist sehr guter Fußball, das ist ehrlicher Fußball.“ Und dann kommt Bodensteiner noch mal auf die weltweite Versorgung mit Autoteilen von Baunatal aus zu sprechen. Das After-Sales-Geschäft sei das Rückgrat des Standortes Kassel.

Der Herr der VW-Ersatzteile-Lieferkette: Uwe Kapl 

Verantwortet den Warenfluss zwischen Zulieferern, OTC, Zentraldepots und Großhändlern: Uwe Kapl.

Ganz gleich, wo auf der Welt ein Fahrzeug aus dem VW-Konzern zur Reparatur oder Wartung in die Werkstatt rollt, haben Uwe Kapl und sein Team zumindest indirekt ihre Hände im Spiel. Denn der 51-jährige Kaufunger leitet seit 2014 jenen Bereich, den Volkswagen wegen seiner internationalen Ausrichtung „Supply Chain“ (Lieferkette) im After-Sales-Geschäfts (Ersatzteile) nennt.

Kapl ist dafür verantwortlich, dass sowohl das zentrale Ersatzteillager in Baunatal, das Original Teile Center (OTC), als auch die weiteren über den Globus verteilten 19 großen Zentraldepots ständig genügend Teile für die weltweit 100 Millionen Fahrzeuge aus Konzernproduktion vorrätig haben. Denn sie beliefern 140 Großhändler, die ihrerseits zigtausende von Werkstätten mit insgesamt rund 600.000 Mitarbeitern mit den benötigten Teilen versorgen – praktisch rund um die Uhr. 90 Prozent der Partner bekommen sie innerhalb von maximal 24 Stunden, auch wenn sie in noch so entlegenen Winkeln der Welt sitzen.

„Jeder Kunde ist für uns gleich – weltweit“, erklärt Kapl. In Baunatal, im Zentrum dieser globalen komplexen Logistikkette, hat man verinnerlicht, dass hinter jeder der täglich 360.000 Werkstattbesuche mit Konzernfahrzeugen weltweit ein Mensch, eine Familie oder Firma steht. Und sie brauchen ihr Auto.

So funktioniert der weltweite Versand von VW-Original-Teilen

OTC Baunatal ist Herzstück

Herzstück dieser Lieferkette, die von den 6000 Zulieferern über die Zentraldepots, Großhändler und Partner bis hin zum Endkunden reicht, ist das OTC, zu dem neben dem Standort Baunatal auch Logistikflächen in Kassel, Wabern, Borken, Volkmarsen, Ingolstadt und Zwickau gehören. 5000 After-Sales-Mitarbeiter weltweit, davon die Hälfte in Baunatal schaffen täglich im Dienst der Versorgungssicherheit. Bei Partnern und Dienstleistern kommen nochmals 2500 Beschäftigte hinzu. Das OTC ist das weltweit größte Depot seiner Art.

Damit alle an der Lieferkette Beteiligten einander verstehen, gibt es mit einer speziellen SAP-Software und einer eigenen IT zur Bestandsplanung eine „einheitliche Sprache“, wie Kapl erklärt. Mit diesen Systemen steuert sein Team die weltweiten Warenflüsse. Sie wissen aufgrund komplexer Algorithmen und Erfahrungswerte sowie unter Berücksichtigung der klimatischen, topografischen und Straßenverhältnisse genau, wann wo welche Teile benötigt werden, erkennen Häufungen und schlagen Alarm, wenn etwas knapp wird.

Bald, so Kapl, wird diese Steuerung noch viel genauer werden. Grund ist die voranschreitende Digitalisierung auch im Fahrzeug. Denn es wird sich künftig melden, bevor der Defekt eintritt, wodurch bisherige, teure Lagerhaltungen reduziert werden können. Und spezielle, hochpreisige Teile, die nur selten ersetzt werden müssen, werden dann binnen Stunden im 3-D-Druckverfahren hergestellt.

Künftig wird es für Kapl und sein Team noch stärker um das Thema gehen, mithilfe der Digitalisierung die Reparaturkosten für den Kunden zu senken. Kapl: „Da wird sich noch sehr viel ändern für uns.“

Link: OTLG Volkswagen

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