VW-Rentner hatte schon 65 Autos: Günstig kaufen, gewinnbringend verkaufen

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Alle meine Autos: Jürgen Güttner hat von den meisten seiner Erwerbungen Erinnerungsfotos geschossen. Eine emotionale Beziehung zum Auto habe er sich abtrainiert, sagt er. 

Baunatal. Für ihn ist es ein Spiel um Strategie: Ein ehemaliger VW-Mitarbeiter kauft und verkauft immer wieder seine Autos. Das Ziel: Kostengünstig einen schönen Wagen fahren.

Jürgen Güttner kribbelt es schon in den Fingern: Im Januar steht der nächste Autokauf an. Ein schickes VW-Beetle Cabrio soll es werden.

Und der VW-Rentner, der noch als Dozent an der Fachschule für Technik (TFK) arbeitet, weiß jetzt schon, dass seine Frau ihn anbetteln wird. „Behalte ihn bitte einen oder zwei Monate länger“, wird sie sagen.

Doch der ehemalige Unterabteilungsleiter im Volkswagenwerk Baunatal macht nicht gerne Ausnahmen: Nach gut einem halben Jahr stößt er seine Autos wieder ab. Und ein Cabrio, weiß der 66-Jährige, wird einige Euro mehr bringen, wenn der Käufer noch eine Weile das offene Fahren genießen kann, bevor das Wetter ungemütlich wird.

Der Beetle wird sein 64 oder 65. Wagen sein, den er kauft. So genau weiß Güttner das nicht. Audi 80, Scirocco GTI, Golf GTI, Audi A6 Avant, Audi TT Roadster, Passat Variant, Vento, Polo, Lupo auch mal ein Porsche: Es waren alles Modelle, die heute unter dem Dach des VW Konzerns produziert werden. Einen Teil hat er für seine Tochter gekauft, so auch sein letzter Erwerb, einen schwarzen Golf.

Wie aus dem Ei gepellt: Das jüngste Auto hat Güttner für seine Tochter gekauft. Sie habe sich einmal einen Japaner gekauft. „Das hat mich fast umgehauen“, sagt der VW-Fan.

Güttner versteht diesen Kaufmarathon als Strategiespiel. Sein Ziel ist es, möglichst viel Auto für wenig Geld zu bekommen und im Idealfall sogar für lau einen schicken Wagen zu steuern. Das sei eben sein Hobby und „in VW bin ich ganz vernarrt“, sagt der gelernte Refa- und Maschinenbautechniker.

Rabatt für Werksangehörige von VW

Auf den ersten Blick erscheint Güttners Strategie simpel: Dank des Rabatts für Werksangehörige billig kaufen und möglichst teuer wieder verkaufen. Aber das erfordert akribische Vorarbeit: „Ich fresse stapelweise Autozeitschriften in mich hinein und habe ein Händchen dafür, was geht“, sagt er von sich.

90 Prozent der Werksangehörigen besorgten sich heute ihre Autos von VW per Leasing, sagt der Baunataler. Das sei aber meistens ein schlechtes Geschäft. Er selbst habe schon früh von einem Kollegen den Tipp erhalten, junge gebrauchte Geschäfts- und Dienstwagen zu kaufen. Diese bietet VW heute auf einem Marktplatz für Werksangehörige im Internet an.

Wichtige Kriterien für den Wiederverkauf der Autos

Die Kunst bestehe darin, eine Ausstattung und ein Design zu wählen, das einen hohen Wiederverkaufswert verspricht. „Ich stand einmal mit vielen anderen Golf-Cabrio-Besitzern beim Jahreswagenverkauf auf dem VW-Parkplatz. Da suchte jemand händeringend ein Cabrio mit Klimaanlage. Mein Auto war das einzige, das sie hatte“, erzählt er.

Heute seien Direktschaltgetriebe, große Felgen für die Optik, Schiebedach, Assistenzsysteme und Einparkhilfen ein Muss. Auch eine Sonderlackierung könne das Auto begehrenswerter machen. „Die Devise lautet, raus aus der Masse. Und das Auto muss besser aussehen als alle anderen“, sagt Güttner.

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