Thüringen, Eichsfeld und Werra-Meißner-Kreis im Fokus

Baunataler VW-Werk will junge Leute aus verschiedenen Regionen gewinnen

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Ausbildung bei VW: Malena Siebert (21) und Daniel Kellner (17) nehmen täglich eine längere Anfahrt zu ihrer Ausbildungsstelle in Kauf. Der Konzern will mehr interessierte junge Leute aus dem Nord-Osten Kassel gewinnen.

Baunatal. Jedes Jahr fangen im VW-Werk Kassel in Baunatal 200 neue Auszubildende an. Noch gibt es jede Menge Bewerbungen von jungen Menschen auf die Lehrstellen.

Doch schon in einigen Jahren könnte sich die komfortable Situation ändern. Der Demographische Wandel werde sich auf die Bewerberzahlen deutlich auswirken, sagt Hermann Hartig, Chef der Volkswagen Akademie in Baunatal.

Der Konzern schlägt Alarm und sucht jetzt verstärkt junge Leute aus Gegenden, die bisher wenig im Mitarbeiterspektrum vertreten sind.

War Ausbildungsprojekt: Die Mechatroniker Tobias Wolfram (von links), Fabian Semmler und Tim Bachmann haben 2013 ein E-Kart gebaut. 

Aus Thüringen, dem Eichsfeld, dem Werra-Meißner-Kreis sowie dem Raum Warburg gebe es bislang kaum Interessenten. „Da haben wir weiße Flecken“, erläutert Hartig und nennt ein Schlüsselerlebnis. Ein Gesprächspartner aus Thüringen habe ihm gegenüber eine Schätzung abgegeben, wie viele Mitarbeiter wohl im VW-Werk in Baunatal arbeiteten: „So etwa 300“ habe die Antwort gelautet. In der Tat sind es mittlerweile über 17 000. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass es hier ein Werk gibt“, sagt Hartig. „Es ist ganz wichtig, dass man von uns weiß. Wir öffnen uns deshalb an vielen Stellen.“

Malena Siebert (21) und Daniel Kellner (17) sind zwei aktuelle VW-Azubis, die den Weg genau aus den genannten Regionen nach Baunatal in Kauf nehmen. Siebert kommt aus Ringgau-Rittmannshausen im Werra-Meißner-Kreis und Kellner aus dem thüringischen Hüpstedt bei Heiligenstadt.

Über eine Stunde sei er morgens zu seinem Ausbildungsplatz unterwegs, sagt der angehende Mechatroniker Kellner. „Ich kann aber Fahrgemeinschaften nutzten“, sagt er. Mit Bus und Bahn würde er über anderthalb Stunden brauchen. Wenn eine Fahrgelegenheit ausfalle, erläutert der 17-Jährige, übernachte er bei einer Bekannten in Kassel. „Das lässt sich bisher immer organisieren.“

Leitet die Ausbildung im Baunataler Werk: Hermann Hartig. 

Malena Siebert fährt entweder selber mit dem Auto oder ebenfalls mit Fahrgemeinschaften aus dem Ringgau ins Baunataler Werk. Sie habe bereits ein Fachoberschul-Praktikum bei VW absolviert, berichtet die angehende Werkzeugmechanikerin von ihren ersten Kontakten zu VW. „Dann habe ich mich beworben.“

So wie Daniel Kellner betont auch die 21-Jährige, dass der Ausbildungsplatz mit Übernahmegarantie bei der Planung des Alltags an erster Stelle stehe. „Ich nehme die Stunde Fahrt gerne in Kauf“, sagt sie. Natürlich gebe es hier und da Einschränkungen, ergänzt Kellner. „Ich kann jetzt nicht mehr in einer höheren Klasse Fußball spielen. Aber der Arbeitsplatz ist schon sehr wichtig.“ Mit einem Schulprogramm will Volkswagen auf den drohenden Rückgang von Auszubildenden reagieren. „Im Jahr 2020 gibt es 15 Prozent weniger junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahre“, erläutert Projektleiter Hartmut Schaupeter. „Wir stellen uns deshalb verstärkt in Schulen vor oder laden diese zu uns ein.“

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