VW-Werk in Baunatal: Viel Arbeit trotz Börsen-Crash in China

Ausbau des Getriebebaus: Zuletzt wurde in Baunatal viel in diesen Produktionszweig investiert. Zwischen den alten Hallen 3 und 4 entstand etwa die 300 Meter lange Halle 3 a für die Produktion des Direktschaltgetriebes DQ 381. Archivfoto: Kühling

Baunatal. China ist für Volkswagen der größte Einzelmarkt. Rund 3,7 Mio. von weltweit 10,1 Millionen Autos wurden 2014 dort verkauft.

Aktuell brechen in China drastisch die Aktienkurse ein - die Wirtschaft schwächelt. Viele Menschen aus dem Reich der Mitte, die ihr Vermögen in Aktien investiert hatten, haben nun kein Geld mehr für schöne Autos Made in Germany.

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Ein Rückgang des Absatzes hat möglicherweise Auswirkungen auf das VW-Werk Kassel in Baunatal. Immerhin liefern die Nordhessen jährlich zehn Prozent ihrer vier Millionen produzierten Getriebe für den chinesischen Markt.

Würde ein Wegbrechen von 400 000 Getrieben in der Jahresproduktion bei 6000 Beschäftigten im Getriebebau ein Abschmelzen der Arbeitnehmerzahl von bis zu zehn Prozent zur Folge haben? „Wir können so etwas im Moment noch nicht erkennen“, sagt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob im Gespräch mit der HNA. Im Gegenteil: Im Getriebebau gebe es aktuell in einigen Bereichen sogar noch Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern.

Im Oktober werden in der Halle 6 beispielsweise die Stückzahlen für das moderne Audi-Direktschaltgetriebe DL 382 erheblich hochgefahren. „Das ist für uns eine besondere Herausforderung“, sagt Jakob. Es gelinge kaum, diese Abteilung mit Mitarbeitern aus auslaufenden Getriebefamilien zu decken. Das Werkmanagement müsse deshalb schnell eine Lösung finden.

Ulrike Jakob

Insofern rechne man in Baunatal derzeit nicht mit einem Einbruch im Getriebebau durch einen schwächer werdenden chinesischen Markt. Dennoch müsse VW die Entwicklung genau beobachten, sagt die Betriebsrätin. „Wir müssen genau dahin gucken.“

„Der chinesische Automarkt bleibt eine Wachstumsgeschichte, die Volkswagen mit seinen Partnern bereits seit Jahren als Marktführer mitgestaltet“, sagt Christoph Adomat, Sprecher von Volkswagen in Wolfsburg. Der Konzern glaube weiterhin an den langfristigen Erfolg, deshalb bringe dieser allein in diesem Jahr 60 neue Modelle und Weiterentwicklungen zu den Kunden.

Unabhängig vom Börsencrash in China müssen sich die Baunataler grundsätzlich mit einem Rückgang der Lieferungen ins Reich der Mitte anfreunden. In den vielen neuen Fabriken dort sollen schon bald alle Getriebe für den eigenen Markt gebaut werden. Deshalb gehe es jetzt darum, zu verhindern, dass später sogar in China gefertigte Komponenten zurück nach Europa oder Nordamerika kommen, erläutert Ulrike Jakob vom Betriebsrat. „Das dürfen wir auf keinen Fall zulassen.“

Baunatals Betriebsratschef Carsten Bätzold will deshalb erreichen, dass die Verhinderung eines Rückflusses von Komponenten nach Europa und Nordamerika verlässlich von allen Entscheidern festgeschrieben wird. Eine Protokollnotiz dazu gemeinsam mit dem VW-Aufsichtsrat gebe es bereits, erläutert Bätzold.  

E-Antriebe bald auch aus China

In einem weiteren Punkt könnte sich eine Entwicklung in China negativ auf die Situation in Baunatal auswirken. Erklärtes Ziel des VW-Vorstandes ist es, in China eine eigene Produktion für Elektroantriebe auf die Beine zu stellen. Denn in China gelten in vielen Städten strenge Zulassungsbeschränkungen für Autos mit Verbrennungsmotor. Käufer von E-Autos hingegen, wenn diese in heimischer Produktion entstanden sind, bekommen neben der Zulassung sogar eine Finanzspritze vom Staat. Deshalb will VW in China innerhalb der nächsten vier Jahre eine Produktionsstätte für E-Motoren und Hybrid-Antriebe sowie ein Zentrum für Forschung und Entwicklung auf die Beine stellen. Bislang werden alle E-Motoren für VW in Baunatal gebaut. Das Werk ist außerdem Leitwerk für E-Antriebe.

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