Wildtiere im Winter nicht unnötig stören

Brauchen Ruhe: Wildtiere sollten im Winter möglichst wenig gestört werden. Das Foto zeigt drei Rehe in der Nähe von Wackernheim (Kreis Mainz-Bingen).

Baunatal. Im Winter müssen Wildtiere wie Rehe und Wildschweine mit ihren Kräften haushalten, da sie wenig Nahrung finden.

In dieser Zeit ist es besonders wichtig, dass die Menschen sich verantwortungsbewusst verhalten und den Tieren die nötige Ruhe gönnen. Doch leider ist das nicht immer der Fall. Ingo Norwig, Jagdpächter in Hertingshausen, beklagt, dass oftmals frei laufende Hunde hinter dem Wild herjagen.

„Es gibt ja keinen Leinenzwang und viele Hundehalter schätzen die Situation falsch ein“, sagt der Hundeführer und Verbandsrichter des Jagd-Gebrauchshunde-Verbands. Er beobachte ständig, dass Hunde Wild hetzen und in dieser Situation auf ihre Herrchen nicht mehr hören. Im vergangenen Jahr hat Norwig dann auch ein verendetes Reh am Wegesrand gefunden. Die Bissspuren in der Keule stammten seiner Meinung nach von einem Hund.

„Das ist ein grundsätzliches Problem“, sagt auch Theodor Arend vom Forstamt Wolfhagen. Besonders im Winter seien frei laufende Hunde bedrohlich für die Tiere: „Rehe beispielsweise bekommen wenig Nahrung und fahren ihren Stoffwechsel total zurück. In dieser Zeit bewegt sich das Wild möglichst wenig und braucht Ruhe. Wenn es aufgeschreckt wird, dann muss es viel Energie aufbringen. Die kann es oft nicht decken“, erklärt Arend. Die Tiere verendeten dann nach einer Hetzjagd durch einen Hund oft kläglich. Manchmal würden sie auch panisch auf die Straße und vor ein Auto laufen.

Eine weitere Folge sei, dass die Tiere mehr fressen müssten, um den erhöhten Energiebedarf zu kompensieren. „Ihren Hunger stillen sie teilweise durch den Verbiss junger Bäume. Das gefährdet die Zukunft des Waldes“, erklärt Arend. Aber nicht nur Hunde stören die Winterruhe des Wildes. Norwig berichtet auch von Mountain-Bikern und Joggern, die gern abseits der Wege unterwegs sind und damit das Wild aufscheuchen. „Feldholzinseln beispielsweise mit ihren Büschen, Hecken und Bäumen sind ein wichtiger Rückzugsraum für Wildtiere. Wenn ein Mountain-Biker in diesem Gebiet querfeldein fährt, dann werden die Tiere aufgescheucht“, erklärt der 49-Jährige. Ein weiteres Problem seien Geocacher. Auch sie würden auf ihren GPS-Schnitzeljagden in Ruhegebiete eindringen und damit Stress bei den Tieren auslösen.

Ruhezonen meiden 

Arend und Norwig appellieren an die Waldbesucher, verantwortungsvoll zu handeln und die Ruhezonen der Wildtiere zu meiden. „Frei laufende Hunde müssen immer in Sicht- und Rufweite bleiben“, so Arend. Sollten sich Hundehalter nich absolut sicher sein, dass ihr Hund gehorche, sollte er an der Leine geführt werden, erklären Arend und Norwig einhellig. Zudem sollten die Waldbesucher nicht querfeldein gehen, sondern auf den Wegen bleiben, so Norwig.

Zusätzliches Futter für Wildtiere auslegen sollte man keinesfalls. „Das wäre nicht gut für die Tiere und nicht im Sinne einer fitten Population“, erläutert Arend.

Wer also das Überleben der Wildtiere im Winter sichern möchte, der sollte sie möglichst nicht stören und ihre Ruhezonen meiden.

Von Nicole Schippers

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