Zehn Hausärzte fehlen im Bauna-Tal

Warten auf den Arzt: Wenn es immer weniger Mediziner gibt auf dem Land, werden die Wartezimmer immer voller. Im Bereich Baunatal und Schauenburg droht mittelfristig ein Ärztemangel. Das Bild zeigrt eine Praxis im brandenburgischen Briesen. Archivfoto: dpa

Baunatal/Schauenburg. In den nächsten fünf bis zehn Jahren droht im Bauna-Tal ein Mangel an Hausärzten. Das Durchschnittsalter der Mediziner in Baunatal liegt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) derzeit bei 54 Jahren, in Schauenburg sogar bei 58 Jahren.

Experten befürchten, dass nach dem Übergang der Ärzte in den Ruhestand nicht genügend Nachfolger für die Praxen im ländlichen Raum gefunden werden. Schon jetzt sind zehn Stellen unbesetzt.

Es müssten daher weitere Anstrengungen aller Beteiligter unternommen werden, um neue Ärzte zu gewinnen, betont Petra Bendrich, Sprecherin der KV Hessen in Frankfurt. „Die KVH arbeitet sehr zielstrebig daran, Fördermaßnahmen zu entwickeln, um Ärzte für eine Niederlassung in ländlichen Regionen zu gewinnen“, sagt sie.

Die Stadt Kassel und der übrige Landkreis stehen gegenüber dem so genannten Mittelbereich Kassel-Süd besser da. In der Stadt Kassel liegt die Versorgung mit Allgemeinmedizinern derzeit noch bei 110 Prozent. Im Bereich Baunatal und Schauenburg hingegen sind nach Angaben der KVH jetzt schon zehn Hausarzt-Stellen offen. Aktuell habe man diese auch nicht besetzen können, betont Bendrich.

Dennoch sieht die Ärzte-Vertretung noch keine Gefahr für die der Versorgung mit Allgemeinmedizinern. Baunatal hat bei 27 353 Einwohnern 19 Hausärzte im Stadtgebiet. Das Verhältnis liege somit bei 1648 Einwohner je Arzt. Damit sei man absolut im Rahmen der in der Bedarfsplanung vorgegebenen Verhältniszahl von 1620 Einwohner je Arzt, so Bendrich. Auch in Schauenburg sei planerisch kein Hausarztmangel zu erkennen. Dot liege man bei einer Verhältniszahl von 1247 Einwohner je Arzt.

„Nicht problematisch“ 

Michael Frölich arbeitet seit 1997 als Allgemeinmediziner in Baunatal. Lange Wartezeiten - auch auf einen Termin - hat er in der VW-Stadt noch nicht festgestellt. „In Baunatal ist die Versorgung nicht problematisch“, bekräftigt der 54-Jährige Mediziner. Auch bei seinen Kollegen gebe es keine Engpässe. „In fünf bis zehn Jahren wird es schwieriger.“

„Es ist schade, weil es ein toller Beruf ist“, sagt Michael Fröhlich zu der droheneden Entwicklung. Er hält es deshalb für wichtig, den Medziner-Nachwuchs frühzeitig anzusprechen und in die Arbeit einzubauen.

Insgesamt will der Baunataler Mediziner die Lage nicht zu düster beschreiben. In unserer Region herrschten noch „goldene Verhältnisse“, sagt er. Im Osten Deutschlands arbeiteten viele Kollegen weit über das angepeilte Ruhestandsalter hinaus, weil es keinen Ärzte-Nachwuchs auf dem Land gebe. „Die wollen ihre Patienten einfach nicht hängen lassen.“

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