HNA-Kommentar

Zum Umgang mit Kranken bei VW: Urteilen über Krankheit kaum möglich

Baunatal. Über Krankheit und die Folgen für einen Arbeitnehmer zu urteilen, ist ein schwieriges Unterfangen. Zu unterschiedlich sind die Krankheitsbilder. Zu verschieden sind die Patienten, meint HNA-Redakteur Sven Kühling

Hinzu kommt, dass sich körperliche Leiden oft auf die Psyche auswirken. Und andersherum können seelische Krankheiten den Körper schwächen. Die Wechselbeziehungen zwischen Körper und Geist sind groß. Schon für medizinische Fachleute ist es deshalb schwer, die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters richtig einzuschätzen. Für einen Arbeitgeber ist es nahezu unmöglich. Herauskommen wird bei der Suche nach dem geeigneten Arbeitsplatz immer ein Kompromiss.

Ob Volkswagen in Baunatal den Druck auf kranke und behinderte Mitarbeiter erhöht, ist kaum messbar. Jeder Betroffene wird nämlich die Art des Umgangs mit ihm individuell bewerten. Der eine ist zufrieden, der andere nicht.

Bei Volkswagen stehen den Mitarbeitern zumindest gleich mehrere Institutionen als Unterstützer zur Verfügung: die Schwerbehindertenvertretung, der Betriebsrat und bei Bedarf auch das Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbandes. Insgesamt gilt VW als Vorbild, wenn es etwa um die Beschäftigung von Schwerbehinderten geht. Dass kranken Menschen, die seit Jahren nicht mehr in der Nachtschicht arbeiten, weiterhin derselbe Zuschlag gezahlt wird, wie den Arbeitnehmern die tatsächlich regelmäßig nachts in die Fabrik gehen müssen, ist Großzügigkeit unseres Sozialstaates.

Der Betroffene, der etwa bei dem Therapeuten in Kaufungen sitzt, wird das alles nur aus seiner Sicht bewerten. Damit sind wir wieder beim Anfang. Darüber als Außenstehender zu urteilen, ist so gut wie unmöglich.

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