Baunataler Jochen Braun arbeitet in Kairo

Mitten drin im Kampf um Demokratie

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Arbeitet an der Deutschen Universität in Kairo: Jochen Braun aus Baunatal.

Baunatal/Kairo. „Wann kommen die Touristen wieder?“ Diese Frage hat Jochen Braun öfter von Taxifahrern gehört, die ihn von seiner Wohnung auf der Nil-Insel Samalek nahe der Innenstadt durch den chaotischen Verkehr zu seinem Arbeitsplatz an der Deutschen Universität in Kairo chauffieren.

Für die Zukunft Ägyptens könne man etwas tun, indem man in den Touristengebieten am Roten Meer Urlaub mache, sagt der gebürtige Baunataler, der zum Jahreswechsel Heimaturlaub bei seinen Eltern in Altenbauna machte.

Ungeachtet der Bilder von Ausschreitungen bei Demonstrationen auf dem Tahir-Platz in Kairo, vom Streit um eine islamistisch geprägte Verfassung hält Braun die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage vieler Ägypter für die größte Gefahr. Zwar sei die Kriminalität wohl seit dem Beginn der Revolution etwas angestiegen.

Die letzten Demonstrationen seien trotz einiger Übergriffe relativ friedlich verlaufen, wie er von seinen ägyptischen Arbeitskollegen gehört habe, berichtet der 30-Jährige. „Im Vergleich zu den Verhältnissen in Südafrika ist Kairo ein Kindergarten.“ Dort hat Braun vorher gearbeitet. In der ägyptischen Hauptstadt habe er sich von Anfang an sicher gefühlt. Allerdings würden die Wohngebiete von Ausländern und reichen Ägyptern auch besonders gut geschützt.

„Die Unwissenheit ist der Nährboden für radikale Gruppen.“

Viel schlimmer seien in Ägypten die große Schere zwischen Arm und Reich sowie das desolate Bildungssystem, sagt der studierte Designer, der als Dozent an einer privaten Universität arbeitet. Die Hälfte der Bürger könne weder lesen noch schreiben. Zugang zu höherer Bildung könnten sich nur sehr Wohlhabende leisten. „Die Unwissenheit ist der Nährboden für radikale Gruppen“, meint der Baunataler, der kommenden Sommer wahrscheinlich wieder nach Deutschland zurückkehren wird.

Von Peter Dilling

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