Katze in Vellmar verletzte sich schwer – Tier könnte in eine Falle getreten sein

Tierfalle? Katze wurde Hinterpfote abgerissen, Bein zerfetzt

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Muss mit drei Beinen wieder laufen lernen: Katze Lilly wurde das linke Hinterbein amputiert. Foto: Habich

Vellmar. Als Lilly, die Katze der Familie Marhenke aus Vellmar, vor wenigen Tagen nach Hause kam, bot sich ein schreckliches Bild. Ihre linke Hinterpfote war abgerissen, das Bein zerfetzt, die Knochen lagen frei.

Eine Tierärztin musste Lilly das Bein amputieren. Nun vermutet die Familie, dass die Katze sich in einer Falle verletzt hat, die für Ratten oder Marder aufgestellt wurde.

„Die Verletzungen waren untypisch für einen Verkehrsunfall. Seltsam war auch, dass das Tier sonst überhaupt keine Verletzungen hatte, keine Blutergüsse oder Prellungen, wie sie bei einem Autounfall vorkommen würden“, sagt Tierärztin Simone Pruß, die Lilly medizinisch versorgte. Deshalb hält sie es für gut möglich, dass die Katze in eine Falle getreten ist.

Zwei Arten tödlicher Fallen

Muss auf drei Beinen neu laufen lernen: Tigerkatze Lilly auf dem Schoß von Mascha Marhenke.

Ihr Mann Wolf Simon hatte sie in dem Verdacht bestätigt: Er ist Jäger und kennt sich mit Fallen aus. Auch wenn die Marhenkes nicht in der Nähe eines Jagdgebietes wohnen: „Wer einen Lehrgang besucht hat, darf Fallen in seinem Garten aufstellen,“ weiß Simon. „Es sind aber nur noch zwei Arten von Totschlagfallen erlaubt. Falls sich Lilly an einer Falle verletzt hat, dann wahrscheinlich an einem Abzugseisen.“ Abzugseisenfallen bestehen aus zwei Halbkreisen aus Metall, zwischen die ein Köder platziert wird. Versucht ein Tier den Köder zu bekommen, schnappen sie zu. „Vielleicht hat Lilly ihre Pfote dort hineingehalten. Eigentlich sollen die Fallen Tiere aber im Genick verletzen.“ Tatsächlich kam eine Katze in der Nachbarschaft der Marhenkes schon einmal mit Verletzungen am Hals nach Hause, die sich nicht erklären ließen.

Wolf Simon ist kein Jäger in der Gegend bekannt, der Fallen in seinem Garten aufstellt: „Das kann genauso gut jeder andere gemacht haben.“ Er hält auch für möglich, dass Lilly von Waschbären angegriffen wurde, die in der Gegend häufig sind.

Heike Marhenke will nun in der Nachbarschaft fragen, ob jemand Fallen in seinem Garten stehen hat, vielleicht gegen Marder oder andere Tiere. Bis sie etwas herausfindet, pflegt sie Lilly wieder gesund. Ihre 13-jährige Tochter Mascha hilft ihr dabei. Lilly trägt eine Halskrause, damit sie sich die Wunde nicht leckt und bekommt Schmerzmittel. In der nächsten Woche wird die Tierärztin die Fäden von der Operation ziehen.

Die Katze sitzt häufig am Fenster, als wolle sie nach draußen. Doch zumindest nachts will Heike Marhenke sie nicht mehr ins Freie lassen - bis der Vorfall geklärt ist: „Wir haben Angst, dass so etwas wieder passiert.“

Hintergrund: Fallenstellen im Wohngebiet

„Fallen aufstellen darf nur, wer an einem anerkannten Ausbildungslehrgangzur Fangjagd teilgenommen hat“, sagt Marc Schölzel von der Unteren Jagdbehörde im Landkreis Kassel. „So schreibt es das hessische Jagdgesetz vor.“ Auch im Wohngebiet dürfen dann auf dem eigenen Grundstück Fallen aufgestellt werden, allerdings nur für Wildkaninchen oder Raubvögel.

„Dem Gesetz nach müssen sie so beschaffen sein, dass kein anderes Tier hineingeraten kann“, betont Schölzel. Zudem müssten die Fallen die Tiere entweder lebend fangen oder sofort artgemäß töten. (irh)

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