Iasa hat turbulentes Jahr hinter sich: Jetzt auch Sprachunterricht für Flüchtlinge im Leiseltreff

Beistand und Rat weiter gefragt

Geschenk zum Abschied: Helga Neukirchen (links) verteilt warme Kuscheldecken an die Kinder der Flüchtlingsfamilien. Imam (von links), Sohila, Ayman und Ilies nahmen sie gern mit nach Hause. Rechts hinten serviert Karin Braukmann frischen Stollen. Fotos:  Dilling

Baunatal. Es ist ein guter Nachmittag, um die Sorgen zu vergessen. Haifa Hasan sitzt mit ihren Kindern und den anderen Flüchtlingsfamilien um den reich gedeckten Tisch mit Adventsplätzchen, Stollen, Kaffee, Tee und Süßigkeiten im Leiseltreff.

Helga Neukirchen und Karin Braukmann von der Flüchtlingsinitiative Iasa haben wie jedes Weihnachten die Bescherung für die Kinder aus Afghanistan, Somalia, Syrien, und weiteren Ländern liebevoll vorbereitet. Rabia Ikhlef, die mit ihrer Familie nach langem Tauziehen in Deutschland bleiben darf, hat ihre Cousine aus Frankreich mitgebracht.

Es ist ein turbulentes Jahr für die Flüchtlingsinitiative gewesen, mit viel Licht und Schatten. Es begann damit, dass die Stadt das Haus am Siebertweg 5 in Großenritte verkaufte, wo Iasa in der Erdgeschosswohnung einen Second-Hand-Laden und Treffpunkt für Flüchtlinge betrieb. Das bedeutete den Verlust des Domizils. „Da war heftig, wir hingen in der Luft und dachten schon ans Aufhören“, sagte Neukirchen.

Doch schließlich kam Iasa im Nachbarhaus unter, in einer kleineren Wohnung, ohne Küche und Heizung. Teewasser muss im Bad gezapft werden. Einen separaten Gesprächsraum gibt es nun nicht mehr.

Keine Neuaufnahme

Doch Neukirchen ist schon über dieses Provisorium froh. Denn ihr Beistand und Rat für Flüchtlinge ist weiter gefragt. Es kommen sogar neue Asylbewerber hinzu, obwohl es laut Pressesprecher Roger Lutzi aktuell keine Aufnahme von Flüchtlingen in der Stadt gibt. Es falle auf, dass ältere Baunataler Flüchtlinge immer häufiger Landsleute zu den Iasa-Treffen mitbringen, die anderswo im Landkreis untergekommen sind, sagte Neukirchen. Nach den Wohnorten frage sie nicht.

Haifa Hasan würde sich freuen, wenn Baunatal wieder Flüchtlinge aufnähme. Die 31-jährige Syrerin, die mit ihrer Familie seit 2005 in der VW-Stadt wohnt, macht sich große Sorgen um ihre Eltern und ihren Bruder in der vom Krieg gequälten Heimat. In Syrien herrsche Hunger, oft falle der Strom aus, das Telefon funktioniere häufig nicht.

Iasa ist für neue Aufgaben gerüstet. Gabriele Winter, einst Mitgründerin der Initiative und Lehrerin, bietet seit Kurzem Sprachkurse in Deutsch dreimal die Woche im Leiseltreff an. Ihre „Somali-Girls“, junge Frauen aus Somalia, seien da besonders eifrig am Lernen, erzählt sie.

Mehr als 30 Flüchtlinge suchen pro Woche Kleidung und Gespräche bei Iasa. „Die finanziellen Probleme tauchen immer wieder auf“, sagte Neukirchen. Mehr als 50 Prozent der Asylbewerber der ersten Generation seien auf Sozialleistungen angewiesen. Ihre Kinder hätten aber häufig schon Fuß gefasst.

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