Tyrannei am Kammerberg: Prozess erneut vertagt

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Kein friedliches Nebeneinander: Nachbarn des 69-jährigen Angeklagten versuchen sich durch Sichtschutz vor Beobachtungen zu schützen.

Ahnatal/Weimar. Seit Jahren macht der 69-Jährige seinen Nachbarn das Leben am Ahnataler Kammerberg schwer. Wegen wüster Beleidigungen und weiterer Delikte, mit denen er sein Wohnumfeld terrorisiert, ist der als psychisch krank geltende Mann bereits mehrfach verurteilt worden.

Und saß auch schon hinter Gittern. Seit Oktober soll er sich erneut vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. Doch Termin um Termin wird aufgehoben. Das Gericht peilt nun einen Prozessauftakt am 1. August an.

Der eigentlich für Montag angesetzte Termin sei geplatzt, weil sich der Angeklagte kurzfristig habe ins Krankenhaus begeben müssen, erklärte Amtsgerichtssprecher Reinhold Kilbinger. Bereits zweimal ist der Prozessauftakt aus ähnlichen Gründen nicht zustande gekommen. Ein drittes Mal – im April 2011 – stand eine Versetzung des zuständigen Richters im Raum und führte zur Aufhebung.

Was seit Monaten verhandelt werden soll, sind Vorwürfe weiterer Beleidigungen, aber auch – teils im Versuch gescheiterter – Sachbeschädigungen. Insbesondere soll der 69-Jährige einigen Nachbarn selbst gebastelte Nagelbretter vor die Autos gelegt haben, damit deren Reifen beim darüber Rollen Schaden nähmen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam es allerdings in keinem Fall so weit. Die Nachbarn hätten die Objekte jeweils vor dem Losfahren entdeckt.

Aus einem Prozess im Jahr 2006 bekannt sind Beleidigungen wie: „Knastbruder“, „Abschaum“, „Drecksack“ und „Hängebauchschwein“, die der Mann in den Jahren zuvor gegen seine Nachbarn ausgestoßen hatte. Wie „Puffmutter“, Schleimscheißer“ und „Verrätersau“ gehörten diese Verbalattacken noch zu den harmloseren. Weitere schienen dem Gerichtsreporter damals zu obszön, um in der Zeitung wiedergegeben zu werden.

Verurteilt wurde der damals als Handelsvertreter tätige Mann dann zugleich für einen Pfefferspray-Angriff auf eine Nachbarin und die Entblößung seines Geschlechtsteils. 15 Monate Haft verhängte das Gericht gegen ihn. „Es gibt kein gerechtes Urteil, nur ein juristisch begründbares“ wurde die Richterin 2006 im HNA-Bericht zitiert. Langfristig werde das Urteil die „Situation am Kammerberg nicht verbessern“.

Welche Menge an Vorwürfen sich schon 2010 bereits wieder gegen den Nachbarschreck angesammelt hatten, lässt die Planung des Amtsgerichts erkennen: Zehn Verhandlungstage hatte es für den Prozess vorgesehen, der eigentlich gestern beginnen sollte. Ein psychiatrischer Gutachter wird hinzugezogen.

2006 hatte der heute 69-Jährige dem Gericht erklärt, nicht er sei das Problem am Kammerberg. Er suchte das mit Beispielen zu belegen. Nur eins davon: Einer der Nachbarn mache ihm „das Leben zur Hölle“ – mit seiner Mimik, meinte der Angeklagte.

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