Baunatals ehemaliger Bürgermeister Heinz Grenacher feiert am Karfreitag seinen 70. Geburtstag

Beliebt dank Charme und offener Art

Badisches Naturell: Baunatals früherer Bürgermeister Heinz Grenacher feiert 70. Geburtstag. Archivfoto: Jünemann

Baunatal. Der Zeitraum einer Generation – 24 Jahre führte Heinz Grenacher das Baunataler Rathaus und repräsentierte die Stadt. Am Karfreitag feiert der frühere Bürgermeister 70. Geburtstag.

Grenacher, Import aus Baden, brachte 1981 das Naturell des Südens mit, Fröhlichkeit und eine Lebenseinstellung, die Niederlagen kaum kennt. Folgerichtig fiel vor sechs Jahren, als Grenacher die Amtsgeschäfte an Nachfolger Manfred Schaub übergab, die Rückschau des scheidenden Bürgermeisters auf fast ein Vierteljahrhundert so aus: „Ich kann nicht sagen, dass ich eine Sache partout nicht mehr machen würde.“

Auf die Frage nach Negativem folgte eine einzige Antwort: die Kostenexplosion beim Umbau der Bäder zum Aqua-Park vor 20 Jahren, „das war das Einzige“. Statt 12,5 Millionen Mark (6,4 Mio. Euro) kostete die Chose am Ende fast 24 Mio. (12,2 Mio. Euro).

In Grenachers Amtszeit lief ein Städtebau-Modellprojekt, das 5000 Menschen Wohnraum brachte. Kindergärten und Sporthallen wurden gebaut, die Straßenbahn rollte in die Stadt, 1999 kam der Hessentag, das Kulturfestival Baunataler Sommer entstand. Meist üppig fließende Gewerbesteuer-Millionen von VW halfen bei allem.

Der Chef im Rathaus liebte es nie, sich anhaltend auf Details zu konzentrieren. Das verhinderte seine Impulsivität. Still sitzen, lange zuhören, Dinge über sich ergehen lassen? Nein. Stets in Bewegung sein, mehrere Sachen parallel zu tun versuchen? Ja.

Und repräsentieren. Gern mit großer Etikette. In einem anderen Leben wäre der Hauptmann der Reserve wohl Diplomat geworden. Passend dazu hängte sich Grenacher nie mit politischen Bewertungen aus dem Fenster – man könnte anecken.

Die andere Seite des Heinz Grenacher: Eine einnehmende Lockerheit – besonders, wenn es zu feiern galt. Für die Zuwendung und den Charme liebten ihn die Baunataler. Für seine Fähigkeit, eine ganze Gesellschaft zu unterhalten, das lautstarke Lachen, den badischen Zungenschlag. „Man hört ihn schon, bevor man ihn sieht“, sagte einmal ein Stadtverordneter. Das war als Lob gemeint, nicht süffisant.

SPD-Mitglied Grenacher hatte sich mit seiner Art auch beim politischen Gegner bald Freunde gemacht. Strammer Parteisoldat war er – zum Leidwesen der eigenen Genossen – nie. Er selbst zitierte am liebsten die 86 Prozent der Bürgermeisterdirektwahl 1999. Das war, als sich keiner mehr traute, gegen den populären Grenacher anzutreten.

Mittlerweile macht sich das frühere Stadtoberhaupt, heute in Wehretal-Reichensachsen (Werra-Meißner-Kreis) zu Hause, in Baunatal rar. Zu Freunden kommt Grenacher noch, zum Karneval, zu einem Stammtisch mit Weggefährten aus der aktiven Zeit. Und unterhält bis heute spielend eine große Runde.

Von Ingrid Jünemann

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