Vereinsgeschichte: Vom Arbeitersängerverein zum Volkschor 1913 Ihringshausen

Mit Bergleuten fing es an

Gemischter Chor: Relativ ausgewogen war die Zahl von Männern und Frauen im Verein vor 50 Jahren, wie die Aufnahme aus dem Jahr 1963 belegt. Fotos: privat / nh

Fuldatal. Der Name „Glück Auf“ weist auf die Herkunft seiner Mitglieder hin. Es waren Bergleute, die 1913 in Ihringshausen den Arbeitersängerverein mit jenem Zusatz gründeten. Auf ihn geht der Volkschor 1913 Ihringshausen zurück, der mit einem Konzert am kommenden Wochenende sein 100-jähriges Bestehen feiert. Und mit einem Rückblick auf eine Vereinsgeschichte in einem Jahrhundert mit zwei Weltkriegen.

Es war die Zeit der sozialistischen Jugendgruppen und der Arbeiterbewegung. Unter der Leitung eines Berufsmusikers aus Hann. Münden sangen Arbeiter in Ihringshausen Freiheitschöre und Tendenzlieder. Auf diese Weise wollten die Bergleute neben der Freude an Gesang und Geselligkeit für politische und wirtschaftliche Anerkennung der Arbeiter demonstrieren.

Während des Ersten Weltkrieges ruhte die Chorarbeit. Den Kontakt zu den Männern an der Front hielt durch Briefe, Karten und kleine Feldpostpakete Gottfried Werner, nach Wiederaufnahme des Chorbetriebes Erster Vorsitzender des Vereins. Die musikalische Leitung übernahm am 1. März 1919 der 25-jährige Schullehrer Otto Trost. Zur ersten Probe fanden sich 16 Männer des Vereins Glück Auf ein.

In den 20er-Jahren bekam der Chor Zulauf von Männern, die in der Firma Hahn arbeiteten, die Sicherheitsschlösser und Kino-Vorführmaschinen produzierte. Die Bergleute bildeten bei den Sängern nun eine Minderheit. Und auch das politisch motivierte Liedgut trat in den Hintergrund zugunsten von Volksliedern und Stücken von Beethoven, Schubert und Schumann. Der Vereinsname wurde umgeändert in Gesangverein Liederkranz Ihringshausen.

Im folgenden Jahrzehnt dann der nächste große Einschnitt. Wie viele andere Zusammenschlüsse wurde auch der Arbeitergesangverein verboten. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP erschien im September 1933 beim Liederkranz, erklärte dieser sei ein internationaler Verein und gehöre somit aufgelöst. Vereinsfahne, der Schrank mit etwa 100 Notensätzen und das gesamte Barvermögen (etwa 70 Reichsmark) wurden beschlagnahmt. Die Sänger wurden aufgefordert, der Liedertafel beizutreten. Etwa die Hälfte vollzog diesen Schritt.

Im November 1945 folgte dann auf Initiative von Fritz Ullrich die Wiedergründung des Vereins. Als Chorleiter wurde erneut Otto Trost gewonnen, der den Betrieb mit 30 Sängern aufnahm. Weibliche Verstärkung gab es ab April 1948, als eine zuvor gegründete Frauenchorgruppe dem Volkschor Ihringshausen angegliedert wurde. Zunächst sangen 70 Männer und 45 Frauen getrennt, ehe 1950 ein gemischter Chor gebildet wurde.

Heute gehören dem Verein 56 Mitglieder an, hiervon singen 31 im Chor, 26 Frauen und fünf Männer. (mic)

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