Partnerschaft zwischen Espenau und Gangloffsömmern in Thüringen

Nach Mauerfall: Mit einem Luftballon fing alles an

Mit einem Luftballon fing alles an: Die Städtepartnerschaft entstand durch einen Weitflugwettbewerb. Foto: dpa

Espenau. Ein Luftballon allein auf weiter Flur. Edgar Marhold staunte nicht schlecht, als er im November 1988 auf einem Feld in Gangloffsömmern diese Entdeckung machte.

Als er das Fundstück näher betrachtete, stellte er fest, dass es zwar Form und Farbe verloren hatte, aber mit einem Zettel an der Schnur versehen war. Daher nahm er diesen mit und ahnte damals nicht, dass er mit diesem Fund einmal Dorfgeschichte schreiben würde. Denn diese Begebenheit trug dazu bei, dass die Partnerschaft zwischen Espenau und Gangloffsömmern entstand.

Wie sich herausstellte, hatte der Ballon nämlich eine lange Reise hinter sich: Er war bei einem Luftballonwettbewerb anlässlich des Gemeindefestes der evangelischen Kirche Mönchehof vom mittlerweile verstorbenen Espenauer Wilhelm Krause samt Namenskarte auf die Reise geschickt worden. „Der Ballon war also rund 150 Kilometer gen Osten geflogen und dann auf den Ländereien der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in Gangloffsömmern gelandet“, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister Erhard Bunzenthal, der die Geschichte zur Entstehung in einer Chronik zusammengetragen hat.

Wilhelm Krause

Aus der Antwort auf die Karte entwickelte sich zunächst ein reger Briefverkehr zwischen den Familien Marhold und Krause. Am Tag nach der historischen Grenzöffnung fassten die Marholds den Entschluss, den Brieffreund aus Espenau mit einem Besuch zu überraschen.

Die vielen Trabbis, die sich zeitgleich gen Westen bewegten und die widrigen Witterungsverhältnisse verhinderten seinerzeit ein zügiges Vorankommen, sodass die Familie aus Thüringen erst gegen Mitternacht in Espenau eintraf. Bei der Suche nach der Familie Krause stießen sie auf den Espenauer Horst Schirakowski. Der damals Erste Beigeordnete nahm die Familie zunächst bei sich auf.

Hilfe bei der Entwicklung

„Damit war der Beginn für eine Verbindung der beiden Gemeinden gemacht, denn fortan entwickelte sich ein reger Kontakt“, so Bunzenthal. Über die Vereine und die Feuerwehr wurden die Begegnungen ausgeweitet und Entwicklungshilfe in Sachen Demokratie betrieben: So wurde der in Gangloffsömmern gebildeten Bürgerinitiative bei den Vorarbeiten zur ersten freien Wahl nach 1933 verholfen. Auch ein ausrangiertes Espenauer Feuerwehrfahrzeug wurde den befreundeten Wehrkameraden überlassen.

Am 27. Februar 1993 unterzeichneten die Verantwortlichen der beiden Gemeinden die Urkunde zur Partnerschaft zwischen Espenau und Gangloffsömmern. „Im dritten Jahr der Grenzöffnung war damit eine deutsch-deutsche Ehe geschlossen worden, die ihr Entstehen dem Fall der Mauer und einem weit gereisten Luftballon zu verdanken hat“, resümiert Bunzenthal.

Von Martina Sommerlade

Hintergrund: Bewohner besuchen sich regelmäßig

Was mit einem Luftballon begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer festen freundschaftlichen Verbindung. Nach der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags in 1993 unter dem damaligen Bürgermeister Erhard Bunzenthal fanden regelmäßig gegenseitige Besuche statt. Einige aus Gangloffsömmern fanden sogar in Espenau die große Liebe und eine neue Heimat. Noch heute fährt die Nachbarschaftshilfe einmal jährlich in die Partnergemeinde Gangloffsömmern. (mso)

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