Im Berufsleben noch einmal durchstarten

Annette Wagenhausen

Mit einem Landesprogramm sollen ungelernte Fachkräfte in kleinen und mittleren Firmen motiviert werden, einen Berufsabschluss nachzuholen. Bildungscoaches stehen ihnen dabei zur Seite.

Kreis Kassel. Der Bedarf ist da, das belegen Zahlen. Dennoch werden Annette Wagenhausen und Dorothee Meiers-Mach in den kommenden Monaten sicher dicke Bretter bohren müssen, um die Chefs kleiner und mittlerer Unternehmen für ihr Vorhaben zu begeistern.

Die zwei Bildungscoaches für den Landkreis Kassel sind seit Ende April in Firmen unterwegs, um Überzeugungsarbeit zu leisten, dass es Sinn macht, ungelernte Mitarbeiter zu qualifizieren, einen Berufsabschluss nachzuholen. Hessenweit, so sagt Annette Wagenhausen, geht man von etwa 340 000 ungelernten Beschäftigten aus. Die Dunkelziffer sei ungleich höher, fügt ihre Kollegin Dorothee Meiers-Mach an.

Als Anreiz für alle Beteiligten sehen es die zwei Bildungscoaches an, dass die Nachqualifizierung der Mitarbeiter sehr flexibel gestaltet werden kann. Abgestimmt auf die Erfordernisse des Betriebsablaufs und die persönlichen Bedürfnisse der Teilnehmer, sei es beispielsweise möglich, die Abschlussprüfung vor der jeweiligen Kammer nach einem individuell erstellten Zeitrahmen zu terminieren.

Um in den Genuss des Programms zu gelangen, muss der ungelernte Beschäftigte mindestens 27 Jahre alt sein und in Hessen wohnen. Auch geringfügig Beschäftigte können teilnehmen. Ausgenommen sind hingegen die pflegerischen Berufe.

Betriebe, die ihre Mitarbeiter für die Qualifizierung freistellen, bekommen 50 Prozent der Kursgebühren vom Land Hessen erstattet. Wobei Annette Wagenhausen darauf hinweist, dass ein Kurs mindestens 1000 und maximal 8000 Euro kostet. Für die Ausfallzeiten der Kursteilnehmer im Betrieb, so sieht es das Programm vor, erhalten die Unternehmen eine finanzielle Entschädigung.

Allerdings ist auch hier eine flexible Handhabung möglich. So kann die Weiterqualifizierung nach Angaben Dorothee Meiers-Machs durchaus parallel zur Arbeit laufen. Eine Freistellung werde nicht zwingend vorausgesetzt.

Nicht alle begeistert

Derzeit machen sich die beiden Bildungscoaches im Landkreis Kassel bei Firmen bekannt, werben für das Programm, prüfen, wo welcher Qualifizierungsbedarf besteht. Dabei mussten sie schon feststellen, dass nicht bei allen Betrieben Interesse an dem Programm besteht.

Noch hat auch kein ungelernter Beschäftigter eine Qualifizierungsmaßnahme begonnen. Das aber soll in diesem Jahr noch durchaus der Fall sein, lautet die Vorgabe des Landes.

Von Peter Kilian

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.