Berufsperspektive in Nordhessen

Auf der Straße: Vor dem Bundeskanzleramt demonstrierten junge Leute Anfang Juli gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa unter dem Motto: „No more hot air“ - „Keine heiße Luft mehr“. Archivfoto: dpa

Region Kassel. Die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa hat drastische Ausmaße erreicht. In Spanien und Griechenland ist mehr als jeder Zweite, in Italien mehr als ein Drittel aller unter 25-Jährigen ohne Beschäftigung. Das heißt für viele junge Menschen, dass sie sich nach einer Alternative umsehen müssen.

So ging es auch vier Praktikanten aus Italien, die im Rahmen des EU-Projekts „Leonardo Da Vinci“ drei Monate in der Region Kassel verbracht haben.

Mit dem Projekt soll erreicht werden, dass junge Menschen ihre beruflichen Qualifikationen auf dem europäischen Arbeitsmarkt verbessern und ihre Sprachkenntnisse fördern. Die Anzahl an Praxisaufenthalten in Betrieben und Berufsbildungseinrichtungen in einem anderen europäischen Land soll bis 2013 auf mindestens 80 000 pro Jahr erhöht werden.

Simona D’Emilio hat einen Bachelor-Abschluss in Sprach-und Kulturwissenschaft an der Universität Pescara in Italien gemacht. In Deutschland war die 24-Jährige im Rahmen des EU-Projekts im Diakonischen Werk Kassel eingesetzt und hat dort in Erziehungs- und Betreuungsprojekten gearbeitet.

„Die Zeit in Kassel hat mir sehr gut gefallen“, bilanziert D’Emilio. „Ich habe hier erkannt, dass ich Lehrerin in Deutschland werden will.“ Einer der Gründe sei, dass die Chancen auf einen Lehrerjob in Italien sehr schlecht stehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, möchte sie einen Masterabschluss an der Universität Kassel oder Gießen in Germanistik machen.

Nicola Bertani geht es ähnlich. Auch er ist mit seinem Master in Betriebswirtschaft hochqualifiziert, findet aber in seiner Heimat keine Anstellung. Sein Praktikum hat er im Eigenbetrieb Abfall des Landkreises Kassel gemacht. „Ich habe meine Deutschkenntnisse während der drei Monate enorm verbessert“, sagte der 29-Jährige. Nächstes Jahr möchte Bertani eventuell in Deutschland anfangen, eine Doktorarbeit zu schreiben.

Chiara Sperti aus dem süditalienischen Martignano hat einen Masterabschluss in Psychologie und hat während ihrer Praktikumszeit in der Betreuung von Asylbewerbern im Landkreis Kassel gearbeitet.

„Mein Wunsch ist es, in Deutschland Psychologin zu werden. Dieser Beruf verlangt viele Wörter, also muss ich noch etwas besser Deutsch lernen“, sagt Sperti. Für die junge Italienerin geht es nach einem Kurzurlaub in der Heimat wieder nach Kassel. Nach einem

Sprachkurs will sie in der Region einen Job suchen.

Von Theresa Ziemann

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