Erste Hilfe für Streithähne: Der erfolgreiche Schiedsmann Günter Backes hat sich zum Mediator fortgebildet

Besser schlichten statt richten

Wenn zwei sich streiten, hilft Günter Backes: Der frühere Mitarbeiter der Baunataler Stadtverwaltung hat soeben eine Zusatzausbildung zum Mediator absolviert. Foto: Dilling

Baunatal. Zwischen Nachbarn geht es im Bauna-Tal zuweilen recht ruppig zu: Da reicht ein Streit um eine Garageneinfahrt. Als der eine Garagenbesitzer seine Zufahrt mit dicken Wackersteinen abgrenzte, damit sein Nachbar mit dem Auto nicht ständig über sein Grundstück fuhr, um die eigene Garage zu erreichen, prallte dieser im Dunkeln gegen die Steine und lädierte sein Auto.

Wutentbrannt griff er zur Axt und bearbeitete damit die Haustür seines Nachbarn, während er ihn lauthals beschimpfte.

Die Streithähne haben sich am Ende geeinigt. Der Angreifer verpflichtete sich, die kaputte Haustür und ein Schmerzensgeld für die Beleidigungen zu bezahlen. Für Waffenstillstand hat kein Richter, sondern der Baunataler Schiedsmann Günter Backes gesorgt.

Er zitierte die Parteien in sein Büro und setzte nach viereinhalbstündigen geduldigen Verhandelns einen Vergleich auf. Solch eine Einigung gelingt dem 70-Jährigen oft. Er habe dieses Jahr eine Erfolgsquote von 96 Prozent gehabt, berichtet der gebürtige Kasseler und Wahl-Großenritter.

Da hat vielleicht auch die Zusatzausbildung zum Streitschlichter und Vermittler (Mediator) geholfen, die Backes in diesem Jahr beim Bund Deutscher Schiedsmänner und -frauen (BDS) absolviert hat.

Dort hat der frühere leitende Mitarbeiter der Baunataler Stadtverwaltung und studierte Verwaltungsfachmann unter anderem psychologisch geschickte Gesprächsführung gelernt. Der Streit, der dem Schiedsmann vorgetragen werde, sei häufig nur die Spitze des Eisbergs.

Der Lehrgang, der mit einer Zertifizierung abgeschlossen wurde, habe „meine Antennen geschärft. Man muss herauskitzeln, was dahintersteckt, sonst gibt es keinen Frieden“, sagt der Großenritter.

Das wird auch Backes’ Hauptaufgabe bei seinem jüngsten Fall sein.

Dabei endete die handgreifliche Auseinandersetzung zweier Nachbarinnen damit, dass eine von ihnen nach einem heftigen Schlag drei Tage mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus lag.

Häufig sitzen bei den Verhandlungen auch Rechtsanwälte mit am Tisch. Das sei nicht immer hilfreich, manchmal kompliziere das auch die Streitschlichtung, sagt der Schiedsmann.

14 Fälle hatte der Baunataler dieses Jahr zu bearbeiten. Daneben kommen viele Besucher, die einfach nur einen schlichten Rat wollen, wie sie mit einem Problem umgehen sollen.

Von Peter Dilling

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