Verwandtenbesuche: Außer Kaffee und Kuchen gab es auch Abenteuer für die Kinder

Besuch bei Molly in Besse

Gastfreundschaft wurde gepflegt: Wenn Besuch kam, war der Tisch reichlich gedeckt. Fotos: Sammlung Ria Ahrend/nh

Baunatal. Von herrlichen Obstgärten, in denen in langen Reihen Apfel-, Birnen-, Kirschen- und Zwetschenbäume standen und manchmal auch ein Haselnuss- oder Walnußbaum zu finden war, kann ich aus meiner Kindheit berichten. Gastfreundschaft wurde zur damaligen Zeit stets gepflegt. Man freute sich, wenn jemand aus der Verwandtschaft oder Nachbarschaft zu Besuch kam.

Meine Tante im nachbarlichen Besse besaß einen solchen Garten, der sich lang hinter der Scheune hinzog und eine Idylle für uns Kinder darstellte. Hier konnten wir an Geburtstagen fernab des Wohnhauses im hohen Gras staken, in einem Holzschuppen Verstecken spielen und auf kleinere Bäume klettern.

Ein Hund mit dem Namen Molly tollte dann mit uns umher, und sein Schwanzwedeln begeisterte uns. Er zählte zu den braven Tieren seiner Gattung.

Unter den Bäumen suchten Gänse, Enten und Hühner nach Futter. Deren Geschnatter beziehungsweise Gegacker störte uns nicht im geringsten, auch nicht die unliebsamen Klecksereien, die unsere hellen Kniestrümpfe bald so grünlich oder bräunlich aussehen ließen.

Zum Abendbrot gab es reichlich Apfelsaft aus eigener Ernte sowie süßlich schmeckende Senfgurken und natürlich die Ahle Wurscht. Knusprig gebackenes Brot aus dem Backofen ließen wir uns dazu schmecken.

Die Brotlaibe wogen damals vier, sechs oder in großen Familien gar acht Pfund. Aufbewahrt wurden diese Laibe meist in Brotkästen, Truhen oder aber in Steinguttöpfen, die mit einem Leinentuch abgedeckt waren.

An eine andere Köstlichkeit aus der Kinderzeit kann ich mich noch sehr gut erinnern. Meine Tante, die im Nachbarort Hertingshausen in eine kleine Landwirtschaft eingeheiratet hatte, backte zu meiner großen Freude oft einen Kuchen mit Glaskirschen, der mit Schmandpudding überzogen war. Noch heute läuft mir bei der Erinnerung an diesen saftigen Kuchen das Wasser im Mund zusammen. Nichts gegen unsere heutigen Schmaddertorten, wie meine Nachbarin so treffend die Sahnetorten nennt. Ein einfacher Hefekuchen vom Blech, mit Obst oder Streuseln belegt, wird in unserer Familie den gar so üppigen Sahnetorten immer noch vorgezogen.

Von Ria Ahrend

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.