Die Vellmarerin Claudia Müller schafft aus einem Alltagswerkstoff liebenswerte Figuren in Lebensgröße

Beton-Schwimmerin im Arm

Startklar fürs Freibad: Die Schwimmerin ist das jüngste Werk der Vellmarer Betonkünstlerin Claudia Müller und alles andere als ein Leichtgewicht. Mit ihren 150 Kilogramm sollte sich die Betonfigur bestenfalls bis an den Beckenrand wagen. Fotos: Binienda-Beer

Vellmar. Opa Heinz hat sich’s im Korbstuhl vor dem Haus gemütlich gemacht, Pauline steht am Zaun und hält nach ihrer Freundin Ausschau, Papa gönnt sich ein Päuschen nach getaner Gartenarbeit. Und ist das wohl die Dame des Hauses, die sich da ungeachtet ihrer satten Rundungen im Bikini gerade auf den Weg zum Schwimmbad zu machen scheint?

Am Gartenzaun von Familie Müller in Niedervellmar bleiben Fußgänger stehen, betrachten amüsiert die dort Versammelten. Die halten den neugierigsten Blicken stand. Denn sie alle sind Figuren aus Beton: in alltäglichen Posen, lebensgroß und täuschend echt dank ihrer detailverliebten Ausarbeitung.

Das Lächeln auf den Gesichtern der Betrachter lässt auch Claudia Müller schmunzeln. Die 52-Jährige ist Schöpferin der „Menschen wie du und ich“, so das Motto für ihre Kunstwerke. Alle Skulpturen sind Unikate und haben ihre Geburtsstunde in einer früheren Garage der Familie erlebt.

Mithilfe eines armierten Drahtgestells, von ganz viel Beton und einer liebevollen Bemalung mit hochwertigen Acrylfarben erweckt die Niedervellmarerin die Gestalten zu Leben, alles in Handarbeit. Ihrem langjährigen Traum von kreativer Arbeit verleiht die gelernte Bankkauffrau und Mutter von drei Kindern so buchstäblich Hand und Fuß.

Claudia Müller zaubert junge und alte Leute, dicke und dünne. „Was das Leben eben so hergibt“, sagt die Beton-Menschen-Mutter lachend. Ihre wetterfesten Geschöpfe für den Daueraufenthalt im Freien tragen meistens Alltagsklamotten oder haben sich auch schon mal ganz chic gemacht wie jene Schöne im roten Kostüm, mit breitkrempigem Hut, Halskette und Handtäschchen.

Jüngstes Werk ist die röllchenbeladene, aber selbstbewusst dreinschauende „Schwimmerin“ im Bade-Look, die mit Schwimmreif um die Hüften und Quietsche-Entchen in der Hand trefflich in die Jahreszeit passt. Die Natürlichkeit der Beton-Menschen, der individuelle Ausdruck ihrer Gesichter macht sie so liebenswert.

Erst seit rund drei Jahren arbeitet die 52-Jährige, die nach enttäuschenden ersten Versuchen einen Workshop bei einem Betonkünstler besucht hat, als Bildhauerin. Rund 100 Arbeitsstunden stecken in einer Figur. Unter dem Titel „Gelebtes Leben“ schuf sie für ein Harleshäuser Seniorenheim eine sympathische Rentnerin. Als Leihgabe steht in einem Wilhelmshöher Café eine Kuchengenießerin - mit Betonsahnetortenstückchen vor sich.

Am kommenden Wochenende, 28. und 29. Juli, stellt Claudia Müller beim 9. Fuldataler Seerosen- und Gartenfestival in Rothwesten (Firma Bollerhey) aus. Spätestens beim Transport ihrer Werke wird der Vellmarerin wieder die Schwere ihrer künstlerischen Leidenschaft bewusst: Opa, Pauline und all die anderen bringen jeweils bis zu 150 Kilo auf die Waage. Halten aber dafür auch einer spontanen menschlichen Umarmung stand.

Kontakt und Infos: Claudia Müller, www.BETONtschoen.de ARTIKEL RECHTS

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.