Betreuung mit Hürden

Tagesmütter klagen über schlechte Bezahlung und wegbrechende Aufträge

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Mütter auf Zeit: Ute Richter (links) und Stefanie Becker (rechts) kümmern sich um Max (2), Leonie (2) und Ben (2, von links). Beide Frauen sind vom Landkreis Kassel ausgebildet worden.

Kreis Kassel / Lohfelden. Für Ute Richter beginnt der Arbeitstag extrem früh. Sie steht manchmal schon um 5.30 Uhr auf, weil um sechs Uhr das erste Kind mit seiner Mutter vor Richters Haustür in Helsa-Eschenstruth steht.

„Ich bin sehr flexibel“, sagt die Tagesmutter, die selbst noch zwei eigene Kinder hat. Die 48-Jährige springt mit ihrer Betreuungsleistung an der Stelle ein, an der Kindergärten passen müssen: Eltern, die extrem früh bei ihrem Arbeitgeber antreten oder auch am Wochenende arbeiten müssen. „Ich betreue aber auch ein Wochenend-Kind, dessen Mutter eine Fortbildung macht“, ergänzt sie.

Ilona Heisiep vom Mehrgenerationenhaus des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) in Lohfelden wünscht sich noch viel mehr solch flexible Tagesmütter. Im Generationenhaus wird die Tagespflege für den Kasseler Osten koordiniert. Wer eine Tagesmutter sucht oder ein Kind, das betreut werden soll, ist hier richtig.

Tagesmütter können eine wertvolle Ergänzung zum Angebot der Kitas sein, sagt Lohfeldens Bürgermeister Michael Reuter (SPD). Doch in der Praxis stellt sich das nicht so einfach dar. Es fehlten gerade Tagesmütter, die in den „Randzeiten“ Kinder betreuen wollten, sagt Heisiep, also wenn die Kita noch nicht oder nicht mehr geöffnet hat. „Ich kann derzeit nicht alle Wünsche erfüllen.“ Weil viele Tagesmütter eigene Familien hätten, sei eine Wochenendbetreuung relativ schwierig. Stefanie Becker, die 2012 ihre Ausbildung zur Tagesmutter gemacht hat, lehnte die Nachfrage einer Fahrlehrerin ab, die schon um 7 Uhr ihr Kind bringen wollte. Sie müsse ihre eigenen Kinder dann erst mal in den Kindergarten bringen, sagt die junge Frau.

Mit eigenen Schulkindern sei es schwierig, an Wochenenden noch Tagesbetreuung zu leisten, sagen Kerstin Goldhahn und Jutta Rode aus Lohfelden. Die beiden haben sich zusammengetan und betreuen in einer angemieteten Wohnung sechs Kinder. Der Job einer Tagesmutter sei schwieriger geworden, sagen sie. Die Bezahlung sei schlecht. Durch den Ausbau der Betreuungsplätze in den Kitas brächen viele Aufträge weg. Letzten Oktober hätten ihnen Eltern abgesagt, weil sie einen Kita-Platz gefunden hätten, sagt Goldhahn.

Es fehle auch ein Vertretungssystem, wenn eine Tagesmutter k oder deren eigene Kinder einmal krank seien, sagen einige Tagesmütter. Goldhahn und Rode leisten sich eine bezahlte Vertretungskraft, Ute Richter wird vom Ehemann unterstützt.

Von Peter Dilling

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