Angeklagte zeigten Gleichgültigkeit gegenüber den Gesetzen – Mit Karten von leeren Konten bezahlt

Betrüger trotz Bewährung weiter aktiv

Kassel / Baunatal. Von einer „frappanten Gleichgültigkeit gegenüber den Gesetzen“ sprach schon vor Jahren das Amtsgericht Dortmund bei einer Verurteilung wegen Betruges und meinte damit den 36-Jährigen, der zurzeit vor dem Amtsgericht Kassel aus gleichem Grund angeklagt ist.

Im aktuellen Prozess kamen die neun Vorstrafen des Mannes zur Sprache, die gegen ihn von Gerichten in Hann. Münden, Kassel und Dortmund ausgesprochen wurden. Weil er sich trotz Auflagen immer wieder neue Vergehen zuschulden kommen ließ, nannte Richter Dr. Kleinherne ihn einen „Bewährungsversager“, den die Strafen unbeeindruckt gelassen hätten.

In Baunatal gestellt

Jedenfalls bis August 2014. Da stellte sich der Mann in der Justizvollzuganstalt Baunatal. „Freiwillig“, wie er vor Gericht ausdrücklich betonte. Während er und seine von ihm getrennt lebende Ehefrau bisher beharrlich geschwiegen hatten, betonten beide am zweiten Prozesstag ausdrücklich ihre aktuelle Bußfertigkeit.

Ein halbes Jahr hat die 30-jährige fünffache Mutter mit der pinkfarbenen Stirnhaarsträhne bereits im Gefängnis verbracht und über 1000 Euro Geldstrafe in kleinen Beträgen abgestottert. Elf Vorstrafen sind seit 2009 für sie registriert. Erschleichen von Leistungen und Betrug lauteten die Urteile. Schon seit Jahren steht die blasse Frau mit den Tattoos auf Dekolleté und Arm und mit dem Glitzerstein-Piercing in der linken Oberlippe unter Bewährungsauflage.

Zwischen März 2011 und Mai 2013 soll das damals in Hann. Münden wohnende Paar, das gemeinsam eine Tochter hat, bei Banken in der Weserstadt, in Kassel, Dransfeld und Grebenstein Konten eröffnet haben, um mit den Karten einzukaufen. „Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen“, wie Staatsanwältin Maren Herwig anklagte, denn auf den Konten war nie Geld. Über 10 000 Euro Schaden entstand durch mehr als 70 jetzt angeklagte Fälle.

Haftstrafe bis Oktober 2016

Bis Oktober 2016 ist die Zeit des 36-jährigen fülligen Mannes mit dem Stoppelhaarschnitt und dem dunklen Kinnbart, der in Kürze mit seiner Lebensgefährtin zum zweiten Mal Vater wird, verplant. Bis dahin muss er im offenen Vollzug in Baunatal seine bisherigen Haftstrafen wegen Betrugs, Schwarzfahrens und Urkundenfälschung verbüßen.

Bei einer neuerlichen Verurteilung könnten mehr als vier Jahre hinzukommen, sagte der Vorsitzende Richter. Wenn die Beweisaufnahme es nahelege, dass das Strafmaß höher als 48 Monate ausfallen könnte, dann würde der Fall vom Amtsgericht ans Landgericht Kassel übergeben. Das Gericht zieht außerdem in Erwägung, beiden Angeklagten getrennt den Prozess zu machen.

Fortsetzung am 20. Mai

Am 20. Mai, 9 Uhr, wird die Verhandlung am Amtsgericht Kassel fortgesetzt. (and)

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