Kasseler steckte Geld des Sparvereins in Kiosk in Vellmar

Bewährung: 13.000 Euro veruntreut

Vellmar. Seinen Sinn für Ironie hat der Angeklagte trotz allem nicht verloren. Eine „glorreiche Idee“ nennt er, was ihn vor Gericht gebracht hat. Und wie haben die Mitglieder seines Sparvereins, die er um insgesamt mehr als 13.000 Euro gebracht hat, da reagiert? „Die waren natürlich hellauf begeistert“, sagt der Mann.

Wegen 46-facher gewerbsmäßiger Untreue wurde der 54-Jährige am Mittwoch vom Kasseler Amtsgericht zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Als Auflage muss er zudem 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Illegale Mittel

Das ist die Quittung für seinen Versuch, sich mit illegalen Mitteln seinen Arbeitsplatz zu erhalten. Denn darum war es gegangen. Schon seit 2006 hatte der Kasseler in einem Kneipenkiosk in Vellmar gearbeitet. Zuerst als einfacher Angestellter, später sogar als eine Art „Geschäftsführer“, so sagt er - auch wenn er weiß, dass das für ein Büdchen wie dieses etwas zu hochtrabend klingt. Doch zuletzt waren die Geschäfte immer schlechter gelaufen. Und zu Beginn des Jahres 2011 kam dem Mann dann der fatal falsche Einfall.

Zusammen mit 38 Gästen hatte er bereits rund drei Jahre zuvor einen Sparverein gegründet. Jede Woche steckten die Mitglieder mehr oder weniger kleines Geld in die Sparfächer im Kiosk. Und jeden Mittwoch trug der Angeklagte das gemeinsam Ersparte zur Bank. Am Jahresende war dann Kassensturz.

So lief es bis zum Silvestertag 2010. Danach aber dachte sich der Mann, dass sich mit dem Geld doch auch die Durststrecke beim Betrieb des Kiosks überbrücken ließe. Fortan floss das Ersparte nicht mehr aufs Sparbuch, sondern ins Geschäft. Als Kredit, von dem die Kreditgeber nichts wussten. Und der, das wurde dem 54-Jährigen schon recht bald klar, nie würde zurückgezahlt werden können. Dafür warf das Büdchen immer noch viel zu wenig Gewinn ab.

„Im Nachhinein weiß ich, dass ich großen Mist gemacht habe“, sagt der Angeklagte. „Das war Irrsinn.“ Dennoch wartete er bis zum Dezember, ehe er sich dem Verein offenbarte. „Der Kiosk ist dann geschlossen worden.“

Auch wenn das Geld, wie er beteuert, nie in seine eigene Tasche floss, profitierte er nach Überzeugung des Gerichts auch persönlich von den Veruntreuungen.

„Sie haben das Treuhandverhältnis verletzt, um den Kiosk am Laufen zu halten“, sagte Richter Matthias Grund. „Sie wollten damit sich und ihre Position erhalten – den Job, in dem Sie Fuß gefasst hatten.“

Von Joachim F. Thornau

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