Zu anderthalb Jahren verurteilt

Tatort Straßenbahn: 22-Jähriger bekommt Bewährung für Attacke in Tram

Tatort Straßenbahn: In einer Tram der Linie 4 schlug der Zwei-Meter-Mann zu. Archivfoto: Kothe/nhTat

Kaufungen / Kassel. Der Angeklagte ist ein Gut-Zwei-Meter-Mann. Seinen Verteidiger, den Staatsanwalt und auch den männlichen Schöffen überragt er deutlich, als sie am Donnerstag im Verhandlungssaal stehen, um das Video einer Überwachungskamera in der Tram 4 anzusehen.

Auf der gezeigten Fahrt hat der 22-jährige Kaufunger gemeinsam mit mehreren Kumpels zwei junge Männer aus Hessisch Lichtenau attackiert. Das Amtsgericht verurteilt ihn deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung.

Doch das ist nicht die einzige Tat, derer er schuldig gesprochen wird. Hinzu kommt eine räuberische Erpressung im minder schweren Fall. Das Gericht verhängt eine Gesamtfreiheitsstrafe von eineinhalb Jahren und setzt diese zur Bewährung aus. Zusätzlich muss der junge Lagerarbeiter 1500 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Auch die Sache in der Bahn war ursprünglich als Raubversuch angeklagt. Der Angeklagte und seine Kumpels hatten auf der abendlichen Tramfahrt im Oktober vergangenen Jahres zunächst Geld und Handys von den beiden Jungs aus Hess. Lichtenau verlangt. Als Zeugen berichteten diese, sie hätten gesagt, sie hätten nichts dabei. Auch von der Drohung, die anderen würden mit ihnen bis zum nächsten Geldautomaten oder bis zu ihrer Zielhaltestelle fahren, hatten sich die Jungs offenbar nicht beeindrucken lassen.

Die Angriffe der Gruppe bestanden aus Schlägen und Tritten. Eines der Opfer trug Platzwunden und eine Gesichtsschädelprellung davon. Dem Angeklagten konnten gestern Schläge zugeordnet werden.

Beim Vorwurf der zweiten Anklage ist von unmittelbarer Gewaltanwendung keine Rede. Das Gericht geht aber davon aus, dass der Kaufunger allein durch drohendes Gebaren einen deutlich kleineren und fünf Jahre jüngeren Jungen dazu bewegte, ihm seine 850 Euro teure Jahresfahrkarte herauszugeben – die er dann erst wiederbekam, nachdem eine Freundin fünfzehn Euro dafür aushändigte.

Richter Hering glaubt nicht, dass es dabei um das Geld ging. „Sie stabilisieren Ihr Ego damit, dass Sie andere terrorisieren“, wirft er dem Angeklagten vor. Auch das zeige „kriminelle Energie“. Die Sache mit dem Ticket hatte der 22-Jährige gestern eingeräumt. An die Tram will er sich alkoholbedingt zunächst nicht erinnern, muss aber einräumen, dass er der Mann im Video ist.

Der Staatanwalt hatte sich mit „Bauchschmerzen“ für die Bewährung ausgesprochen. Das Gericht schließt sich an. Vielleicht, so der Richter, werde der bald anstehende Vollzeitjob helfen, den jungen Mann auf einen solideren Weg zu bringen.

Von Katja Schmidt

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