25-Jährige bestahl behinderte Frau, die ihr zuvor Unterschlupf gewährt hatte

Bewährungsstrafe für Vertrauensbruch

Calden. Vor dem Hofgeismarer Amtsgericht wurde in dieser Woche das Urteil in einem besonders hinterhältigen Fall von Diebstahl und schwerem Vertrauensbruch gesprochen. Eine 25-jährige Frau aus dem sauerländischen Finnentrop hatte im April 2010 bei einer 30-jährigen Frau Unterschlupf gesucht, die in einem Caldener Behindertenwohnheim lebt und diese schließlich bestohlen.

Kurz zuvor habe sie erfahren, dass sie schwanger sei, wäre mit der Situation überfordert gewesen und hätte nicht gewusst wohin, sagte die Angeklagte. Sie habe zu ihrem Lebensgefährten nach Trier fahren wollen, von dem sie zu dieser Zeit durch ungünstige Umstände getrennt gewesen wäre, aber ihr hätte das Geld gefehlt. Deshalb missbrauchte sie das Vertrauensverhältnis zu der behinderten Frau und entwendete in der Nacht heimlich das Mobiltelefon und die Bankkarte der Geschädigten, gestand die Finnentroperin.

Mit ihrer Beute hatte sie sich dann aus dem Staub gemacht und sich seitdem nicht mehr bei ihrer Wohltäterin gemeldet.

Zuvor hatte sie aber bereits die Geheimzahl in Erfahrung gebracht und sich so Zugang zum Konto der Caldenerin verschafft. Insgesamt 300 Euro hob die Angeklagte ab. Diese Summe muss sie jetzt in sechs Monatsraten der Geschädigten zurückzahlen.

Zudem wurde sie vom Richter zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Sollte die 25-Jährige in den nächsten drei Jahren straffällig werden, dann habe sie ihre Chance vertan, warnte der Hofgeismarer Richter.

Rückhalt durch Vater

Er bewertete das Geständnis der jungen Frau als positiv, auch dass sie sich im Gerichtssaal öffentlich bei der Geschädigten entschuldigte, trug mildernd zur Urteilsbildung bei. Zudem gab die Angeklagte an, dass ihr leiblicher Vater, den sie erst vor einem knappen Jahr kennengelernt habe, ihr jetzt den Rückhalt gäbe, den sie bisher in ihrem Leben nicht bekommen habe.

Auch ihre kleine Familie – die zehn Monate alte Tochter und ihr Lebensgefährte – sei ein Grund, nicht erneut auf die schiefe Bahn zu geraten.

Vielzahl an Jugendstrafen

Das von der Staatsanwaltschaft relativ hoch angesetzte Strafmaß war auf eine Vielzahl von Jugendstrafen für Diebstähle, Fahren ohne Fahrerlaubnis und andere Vergehen zurückzuführen.

Sie sei irgendwann in die falschen Kreise geraten und dort einfach nicht mehr rausgekommen, gab die Angeklagte an. „In meiner Familie gab es niemanden, der gesagt hat, du darfst das nicht.“

Aber ihr Leben habe sich jetzt grundlegend geändert, sie wolle die Chance des Richters auf jeden Fall nutzen, versprach die 25-Jährige..

Von Kathrin Meyer

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