Bewährungsstrafen: Gericht verurteilt Mutter und Tochter

Baunatal. Shoppen, das verheißt die bunt glitzernde Warenwelt nicht nur vor Weihnachten, macht glücklich. Wer Ablenkung sucht, soll sie im Kaufrausch finden. Nur was, wenn das Geld dafür nicht reicht?

Dann kann man immer noch bei Versandhändlern bestellen, die Rechnung nicht bezahlen – und hoffen, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Für zwei Frauen aus Baunatal, Mutter und Tochter, aber ging das nicht gut. Weil sie ein Jahr lang immer wieder über das Internet Waren geordert hatten, die sie nicht bezahlen konnten, wurden sie am Dienstag vom Kasseler Amtsgericht verurteilt. Gegen die 26 Jahre alte Tochter, die insgesamt 24 solcher Betrugstaten zugegeben hatte, verhängte das Gericht eine einjährige Bewährungsstrafe. Für ihre 49-jährige Mutter, die sich 27 Fälle hatte zuschulden kommen lassen, wurden es sogar viereinhalb Monate mehr.

Beide Angeklagten gaben die Betrügereien vorbehaltlos zu. „Ich habe diese Scheiße gemacht“, bekannte die Jüngere. „Ich wusste mir nicht anders zu helfen.“ Weil sie – die wie ihre Mutter von Hartz IV lebt – finanziell klamm war? Nein, jedenfalls nicht in erster Linie. „Ich wollte mich damit ablenken“, erklärte die 26-Jährige. Denn seit sie und ihre Mutter einen Verwandten einer Sexualstraftat bezichtigt hätten, würden sie von der Familie regelrecht terrorisiert. Also hätten sie sich zum Trost ins Online-Shopping geflüchtet.

Nichts Teures

Fotobettwäsche kauften die beiden Frauen, Spielzeug, Karnevalskostüme und vor allem Kleidung. Nichts Teures: Nur eine einzige Bestellung überstieg die Grenze von 200 Euro. Insgesamt aber summierte sich der Schaden auf mehr als 4500 Euro. Fast alles, beteuerten die Angeklagten, sei für die Kinder der 26-Jährigen bestimmt gewesen. Abgesprochen aber hätten sie sich nicht. „Wir haben das wirklich nicht gemeinschaftlich gemacht“, sagte die Ältere. „Das schwöre ich.“

Das Vorgehen allerdings hatten sie sich durchaus voneinander abgeschaut: Beide bestellten bei denselben Versandhäusern. Und beide taten das zumeist nicht unter ihrem richtigen Namen, sondern gaben sich neue Vornamen, änderten die Schreibweise – oder verwendeten gleich ganz andere Namen, von Ehegatten, Verwandten oder Exfreunden. Sie wollten verhindern, dass ihrem Kaufrausch bereits durch eine negative Schufa-Auskunft Einhalt geboten würde: Ihre eigene Bonität dürfte angesichts von Schulden in fünfstelliger Höhe wenig rosig ausgesehen haben.

Mittlerweile denken beide Frauen über eine Privatinsolvenz nach. Und sie haben ihren Einkaufstouren in der digitalen Shoppingwelt selbst einen Riegel vorgeschoben: Der Computer der 49-Jährigen hat ein neues Passwort, das nur noch ihr Ehemann kennt. Die Tochter hat ihren Internetanschluss sicherheitshalber komplett abgeschafft. (jft)

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