In Schreibwerkstatt entstand 90-seitiges Buch mit Erinnerungen Sudetendeutscher

Bewegende Erlebnisberichte

Das Ergebnis von einem Jahr Arbeit vorgestellt: Moderatorin Ilka Emmeluth bei der Lesung im Mehrgenerationenhaus des ASB. Foto: Wohlgehagen

Lohfelden. „Wir danken allen, die uns in Lohfelden aufgenommen haben“, sagte Herbert Kaulich. Der Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist einer von fünfzehn Autoren der ASB-Schreibwerkstatt, die im Mehrgenerationenhaus in Lohfelden an einer Publikation mit Zeitzeugenberichten über die Vertreibung aus dem Sudetenland mitgearbeitet haben.

Das 90 Seiten starke Buch ist jetzt bei einer Lesung mit Podiumsgespräch im Bürgerhaus vorgestellt worden. Die sehr gut besuchte Veranstaltung wurde vom Chor der Sing- und Musikgruppe Vollmarshausen, deren Gründung maßgeblich auf die Initiative von Heimatvertriebenen zurückgeht, mit Liedern aus der böhmischen Heimat umrahmt.

Sie sei mit einem Thema konfrontiert worden, das ihr „so nicht bewusst war“, sagte Moderatorin Ilka Emmeluth, die die bewegenden Erlebnisberichte der Autorinnen Mitzi Heinz und Ilse Reuss vorlas: Plünderungen durch russische Soldaten, Vergewaltigungen, Erschießungen. Danach die zwangsweise Aussiedlung und Transporte in eine ungewisse Zukunft. „Ja, es wühlt mich auf, ich habe viele Dinge im Original miterlebt“, sagte Herbert Kaulich während des Podiumsgesprächs.

Die Mitglieder der Schreibwerkstatt trafen sich seit dem Frühjahr 2010 wöchentlich. Ihr Ziel ist es, die Erlebnisse der gemeinsamen Geschichte für kommende Generationen zu bewahren, aus erster Quelle und direkt erlebt. Das vom Land Hessen, der Gemeinde Lohfelden und von der Kasseler Sparkasse geförderte Projekt spannt einen Bogen von der Vertreibung, dem Ankommen in der neuen Heimat Lohfelden bis in die Gegenwart. „Wir wollen für das Buch werben, es könnte eine Hilfe im Schulunterricht werden“, sagte Wolfgang Hesse (CDU), der für den Gemeindevorstand ins Bürgerhaus gekommen war. Die Neuntklässlerin Louisa Klietz von der Söhreschule will das Buch ihrer Geschichtslehrerin zeigen, da über die Vertreibung der Sudetendeutschen im Unterricht noch nicht gesprochen worden sei.

Die Leiterin des Projektes, Jutta Harney, hob die gute Zusammenarbeit mit den „wunderbaren Menschen in der Schreibwerkstatt“ hervor. ASB-Landesvorsitzender Ludwig Frölich sagte zu, die Arbeit der Schreibwerkstatt fortzuführen. Als Autoren an dem Buch beteiligt waren: Ilse Reuss, Elisabeth Witzel, Eduard Pummer, Walter Reuter, Jutta Harney, Gertraude Pummer, Karlheinz Kuhn, Hildegard Friedrich, Anna Wenzel, Herbert Kaulich, Rotraut Reinsberg, Lohre Fehr, Mitzi Heinz, Rudolph Titz und Erika Daams. (ppw) HINTERGRUND

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